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Beilage 29. Internationales Bachfest

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50 Jahre Rheumaliga

50 Jahre Rheumaliga Schaffhausen Spenden für das neue Bad werden dankend entgegengenommen: www.rheumaliga.ch/sh

24. Mai 2022 29. INTERNATIONALES BACHFEST 15 Mit Live-Elektronik wird Barockmusik aufgebrochen und verfremdet Faszinierender Wechselbeziehung lauschen Im Konzert «Broken Bach – Future Music» mit Franz Danksagmüller erwartet das Publikum eine ungewöhnliche Klanginstallation und neu verarbeitete Werke von Bach. Schaffhausen. Das Thema «Bach Grenzenlos» zieht sich durch das ganze Programm des 29. Internationalen Bachfests. Nicht nur mit der Tatsache, dass 22 Kunstschaffende aus allen Kontinenten zu Gast in Schaffhausen sein werden oder dass am Eröffnungskonzert verschiedene Generationen zusammengebracht werden. Auch werden der klassischen Musik keine Grenzen gesetzt. Frank Danksagmüller, ein österreichischer Komponist und Organist, wird am Freitag, 27. Mai, um 20.30 Uhr mit der Installation «Broken Bach – Future Music» dem Publikum im Münster in Schaffhausen eine spannende Klanginstallation präsentieren. Musik in der Barockzeit Wie hat ein Mensch in der Barockzeit, mit seinem Erfahrungsschatz und seiner Musikkenntnis, die Kompositionen seiner eigenen Zeit wahrgenommen? Was war daran für ihn fesselnd, neu oder gar unerträglich? Wir können uns heute nur mit viel Fantasie vorstellen, wie unsere Vorfahren im 18. Jahrhundert «ihre» Musik gehört haben, mit Ohren, denen der Lärm von Maschinen oder aus Lautsprechern unbekannt war und die insgesamt eine viel stillere Zeit genossen. Wenn sie Musik hörten, war das noch etwas Kostbares und geschah sehr bewusst. Dazu kommt, dass die gehörten Werke meistens brandneu waren, die Avantgarde war sozusagen Tagesgeschäft. Mitnehmen für das eigene Hören können wir vielleicht daraus, dass die Barockmusik, die uns heute so angenehm bekannt und berechenbar erscheint, für ihre Zeitgenossen das pure Gegenteil war: Sie steckte voller Überraschungen, weil Komponisten wie Bach, Händel oder Vivaldi die Grenzen des damals harmonisch Statthaften bewusst verletzten und gern kühne, unerhörte Kunstgriffe einsetzten. Ausserdem gab es wohl kaum Diskussi- Der Komponist und Organist Franz Danksagmüller lotet die Verbindung von klassischen Klangkörpern mit Live-Elektronik immer wieder neu aus. Bild: zVg./ Olaf Marzahn onen über Urheberrechtsverletzungen wie heute: Was vorlag an Noten, wurde abgeschrieben, für andere Instrumente gesetzt, verfremdet, verkürzt oder erweitert, ohne dass das etwas Ehrenrühriges hatte. Unerwartetes wird vermittelt Von diesen beiden Gedanken lässt sich der Komponist und Organist Franz Danksagmüller leiten: Dem Gedanken an das Überraschende in der Musik und dem Gedanken an den viel unbefangeneren Zugang zum Bearbeiten bestehender Werke. Beides fliesst ein in eine faszinierende Wechselbeziehung zwischen der historischen und der zeitgenössischen Musik, die in den Kompositionen und Projekten Danksagmüllers ganz zentral ist. Durch Live-Elektronik und den Performance-Charakter vermitteln die Konzerte eine Spannung des Unerwarteten. Dafür setzt Danksagmüller gerne modernste Technik, neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und sogar die Sonifikation, also «Verklanglichung» von Daten wie etwa irrationalen oder unendlichen Zahlen ein. In seinem Projekt «Broken Bach» werden die Werke von Johann Sebastian Bach und seinen Zeitgenossen mit heutigen Mitteln «aufgebrochen» und verfremdet. Durch Samplings und Remixes werden sie neu verarbeitet und durchlaufen verschiedene digitale Klangmanipulationen. Aus rhythmischen oder harmonischen Abläufen entstehen so neue Klangbausteine, die wiederum live zu neuen Werken zusammengesetzt werden. Dabei ist sämtliche Musik, die im Konzert erklingt, auch live entstanden. In der Orgel sind etwa Mikrofone angebracht, die ihren Klang aufnehmen, der dann bearbeitet und kurz darauf wiedergegeben wird. Ebenso hat im ersten Stück, der Bach-Kantate «Wachet auf, ruft uns die Stimme», im Nachklang künstliche Intelligenz die Hand im Spiel, denn ein Musikteil wird live berechnet. Im Verborgenen arbeiten im Laufe des Konzertes verschiedene Algorithmen. So erklingt die Musik nie gleich, sondern in jedem Konzert wieder neu und anders. Elektronische Klänge der Orgel Der Untertitel «Future Music» des Konzertes spielt wiederum auf die 70er und 80er Jahre des 20. Jahrhunderts an – und natürlich auch auf den Kino-Hit «Back to the Future», der sich ebenfalls mit dem Wandel des Zeitgeistes und der Epochen beschäftigte. Zur gleichen Zeit wurden Bach-Adaptionen in der immer elektronischer werdenden Unterhaltungsmusik äusserst populär. So spielte Walter Carlos auf seinem damals ganz neuartigen Moog-Synthesizer die revolutionäre LP «Switched on Bach» ein, die mit ihren eingängigen Bach-Sounds zum meistverkauften Klassikalbum wurde. Damit wurde auch der Synthesizer, den dann übrigens auch die Beatles auf markante Weise einsetzten, über Nacht berühmt. Franz Danksagmüller erweist diesem Urahnen der Synthesizer-Familie seine Referenz, in dem er einen Moog-Synthesizer mit der Orgel in einen Dialog treten lässt. Gleichzeitig nutzt er eine digitale Workstation, um die Klänge der Orgel elektronisch weiterzuspinnen und lässt durch Künstliche Intelligenz live neukomponierte Musik entstehen. (Julika Jahnke/nh.) Das Konzert Nr. 7 «Broken Bach – Future Music» mit Franz Danksagmüller (Konzept, Orgel & Live-Elektronik) sowie Alexander Goldstein (Lichtinstallation) findet am Freitag, 27. Mai, um 20.30 Uhr im Münster in Schaffhausen statt. Programm von «Broken Bach» Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) / Franz Danksagmüller (*1969) •Eröffnungschor aus der Kantate «Wachet auf, ruft uns die Stimme» BWV 140 Antonio Vivaldi (1678 – 1741) / Franz Danksagmüller • «Le quattro stagioni» Franz Danksagmüller • «A Fancy» Johann Sebastian Bach / Franz Danksagmüller • Air aus der Orchestersuite Nr. 3 BWV 1068 Georg Friedrich Händel (1685 – 1759) / Franz Danksagmüller • «Music for the Royal Fireworks» Johann Sebastian Bach • Präludium und Fuge D-Dur BWV 532

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