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Bock E-Paper 2022 KW03

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2 Hintergrund Bock | Dienstag, 18. Januar 2022 Von der Abenteuerlust gepackt Vor zwei Jahren kündigten Jens Pippig und Stephanie Schneider Job und Wohnung und machten sich im VW Bus auf Europareise. Der Mountainbikealpinist und Splitboarder legte in dieser Zeit über 30 000 Kilometer aus eigener Körperkraft zurück. REISEN RAMSEN UND LESACHTAL Lara Gansser Noch wenige Stunden vor dem Interview stand Jens Pippig auf dem 2114 Meter hohen Gipfel des Gamskofel, dem Hausberg der österreichischen Gemeinde Obergail im Lesachtal. «Und als zweiten Anstieg habe ich mir heute den Schönjochl mit 2296 Metern vorgenommen», erzählt Jens Pippig. Unterwegs zu Fuss, mit dem Bike oder dem Splitboard – einem in der Länge teilbaren Snowboard – sind Touren wie diese in den vergangenen zwei Jahren Alltag geworden. Ende 2019 kündigten der 36-Jährige und seine Freundin Stephanie Schneider Job und Wohnung und starteten ihre Europareise. Noch bis Ende Februar sind die beiden Abenteurer unterwegs, bevor sie in ihre Heimat Ramsen zurückkehren. Sportler aus Leidenschaft Jens Pippig ist leidenschaftlicher Mountainbikealpinist und Splitboarder. Der gebürtige Deutsche stammt aus Zwickau und wohnt, seit er 15 Jahre alt ist, nur mit kurzem Unterbruch in der Bodenseeregion – zuerst in Hilzingen, heute in Ramsen. Die Reise von Jens Pippig und Stephanie Schneider führte fast durch ganz Europa. Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, SRTM | Kartendarstellung: © OpenTopoMap (CC-BY-SA) Die Leidenschaft zum Sport entfachte bei Jens Pippig früh. «Während meiner Ausbildung zum Chemielaboranten pendelte ich zwischen Hilzingen, Radolfzell und Konstanz. Meist mit dem Rennrad, da kamen pro Tag um die 70 Kilometer zusammen.» Bald entdeckte er den Triathlonsport für sich und nahm 2008 an seinem ersten Wettkampf teil – dem Bodensee-Megathlon, bei dem er alle fünf Disziplinen (Schwimmen, Radfahren, Inlineskaten, Mountainbiken und Laufen) souverän absolvierte. Kurz darauf gewann er den Hegau-Bike-Marathon (106 Kilometer, 2500 Höhenmeter) in seiner Kategorie deutlich. «Ich hatte so lange diszipliniert trainiert, doch das Messen an Wettkämpfen wurde nie meins. Lieber wollte ich schwierige alpine Mountainbiketouren fahren», so Jens Pippig, der vor seiner Reise als Chemielaborant beim Pharmaunternehmen Merck in Schaffhausen arbeitete. Auf und davon Wie sich Jens Pippig und Stephanie Schneider kennenlernten: Nach einem Mountainbikeunfall im Jahr 2009 wurde Jens Pippig von der damals auszubildenden Pflegefachfrau im Krankenhaus behandelt. Sie ver- liebten sich und begannen mit den Jahren, von einer längeren gemeinsamen Auszeit zu träumen. Ende 2019 fassten sie den definitiven Entschluss: Sie kündigten Wohnung und Job und tauschten ihren Caddy in einen VW California um. Im Februar 2020 fiel der Startschuss zur Europareise. Wo all das Material aus der gemeinsamen Wohnung untergebracht ist? «In einem Zimmer bei Stephis Eltern», erzählt Jens Pippig schmunzelnd. «Und ja, man merkt nach zwei Jahren, was man eigentlich alles gar nicht braucht», ergänzt er. Das Lösen von materiellen Dingen war eine grosse Erkenntnis für die beiden, die bis anhin schon bescheiden gelebt hatten. «Ein Smartphone kauften wir erst vor der Reise, damit wir mit unseren Verwandten in Kontakt bleiben konnten.» Neben einigen Kleidern im Gepäck des VWs: Zwei Rennräder, zwei Mountainbikes und zwei Splitboards. Über 30500 Kilometer in 30 Ländern Jens Pippig ist ein Fanatiker von Zahlen und Statistiken, deshalb kann er auch ganz genau aufzeigen, was er in den letzten 696 Tagen körperlich geleistet hat: 30 Länder, 19 Hauptstädte, 15 Gebirge und 372 Gipfel erreichte der Abenteurer. An vielen Tagen begegneten die Abenteurer mehr Tieren als Menschen. «Rentiere wie Sand am Meer» sah Jens Pippig auf den Radtouren in Finnland und Schweden. Bild: zVg. Seit zwei Jahren ist der VW Bus das Zuhause von Stephanie Schneider und Jens Pippig. Bild: zVg. Dabei legte er über26 225 Kilometer mit dem Rad, 2740 Kilometer mit dem Splitboard und über 1530 Kilometer laufend zurück – bei einer gesamten Anzahl von über 810 000 Höhenmetern. «Bei 40 Stunden Sport pro Woche kommt so einiges zusammen.» Wer mehr über die Touren von Jens Pippig erfahren möchte, erhält über die SportApp Strava täglich Berichte mit Bildern der Aktivitäten. «Ob ich dann ein Buch mit der Tourensammlung schreiben werde oder Vorträge halte, das werde ich sehen. Zu erzählen gibt es auf jeden Fall viel.» Viele der Etappen legte Jens Pippig mit dem Rennrad zurück. «Meist waren das Strecken von etwa 200 Kilometern.» Doch sie reisten nicht täglich weiter, sondern verweilten an den Destinationen. So ist Österreich das letzte Land vor der Rückkehr Ende Februar in die Schweiz – dies erreichten die beiden von Slowenien aus Ende Dezember. Ein Abenteuer ohne Ziel Doch was ist das Ziel eines solchen Abenteuers mit 40-Stunden-Sportwochen? «Sicher möglichst viel Gebirge kennenzulernen. Und das aus eigener Muskelkraft», erklärt Jens Pippig und ergänzt: «Aber ein richtiges Ziel gab es nie. Wir wollten einfach rauskommen und Spass haben», so der 36-Jährige, dem es schon immer wichtiger war, den Fokus seines Lebens auf dem Privaten zu haben und nicht auf der Karriere. Doch die Reise brachte auch Herausforderungen mit sich. «An den meisten Orten merkten wir nichts von Corona, da wir oftmals abseits in der Natur waren», sagt Jens Pippig. Einzig die Grenzübergänge seien während der Lockdowns schwierig gewesen, so mussten die beiden Abenteurer mit grossem Bedauern ein Ziel auf ihrer Reiseliste streichen: das Nordkinn und damit den nördlichsten Punkt des europäischen Festlands. 700 Euro pro Monat Mit Fragen wie «Was macht ihr, wenn ihr zurückkommt?» oder «Wie könnt ihr euch das leisten, so lange nicht zu arbeiten?» werden Jens Pippig und Stephanie Schneider häufig konfrontiert. Das Leben unterwegs sei günstig, hauptsächlich zahlen sie für Sprit und Essen. «Durchschnittlich hatten wir Ausgaben von 700 Euro monatlich», führen die beiden aus. In den vergangenen Monaten lernten Jens Pippig und Stephanie Schneider viel über das Thema Stress. «Es ist ein wahnsinniges Gefühl von Freiheit, auf einer verkehrsfreien Strasse in Skandinavien unterwegs zu sein, und das ohne den Druck, wieder pünktlich irgendwo zu sein.» Der einzige Zeitdruck entstehe in den Wintermonaten durch die Dunkelheit. Nun, einen Monat vor ihrer Heimkehr, freuen sie sich aber doch auch ein bisschen auf zu Hause. «Vor allem darauf, unser Projekt abzuschliessen», so Jens Pippig. Und das, obwohl sie noch nicht wissen, was sie dann machen werden. Das Familienzentrum hat sich etabliert Das Familienzentrum Schaffhausen habe sich in seiner vierjährigen Pilotphase etabliert und sei zu einer wichtigen Anlaufstelle für Familien mit Kindern im Vorschulalter geworden. Das Angebot wird deshalb in der Regelstruktur weitergeführt. GESELLSCHAFT SCHAFFHAUSEN Im November 2014 stimmte der Grosse Stadtrat zehn Massnahmen zur «Frühen Förderung» in der Stadt Schaffhausen zu. Eine dieser Massnahmen beinhaltete die Prüfung eines Familienzentrums. Hierfür legte der Schaffhauser Stadtrat dem Grossen Stadtrat eine Orientierungsvorlage vor, welcher der Grosse Stadtrat am 7. Juni 2016 zustimmte. Damit konnte die Realisierung eines Familienzentrums in einer vierjährigen Pilotphase mit anschliessender Evaluation in Angriff genommen werden. Im Juni 2017 wurde das Familienzentrum an zentraler Lage am Kirchhofplatz 19 im ehemaligen Schulhaus Kirchhofplatz eröffnet. Es ist seither regelmässig an sechs Tagen pro Woche geöffnet. werden, heisst es in einer Mitteilung der Stadt Schaffhausen. Die zahlreich entstandenen Angebote, die hohen Besuchszahlen und die Durchmischung der Besucherinnen und Besucher deuten darauf, dass das Familienzentrum auf einen grossen und breiten Bedarf stösst. Das Familienzentrum leiste damit einen wichtigen Beitrag zur präventiven Familienförderung in Schaffhausen. Es ermögliche den Familien, andere Familien kennenzulernen und den Kindern eine anregende Spielumgebung und Kontakt zu anderen Kindern. Bei Bedarf bietet es Beratung und Vernetzung zu anderen Fachstellen an und erfüllt eine quartierübergreifende integrative Aufgabe, schreiben die Verantwortlichen weiter. Mit der Weiterführung des Familienzentrums anerkennt die Stadt Schaffhausen die Bedeutung von Familien für die Stadt und erhöht ihre Attraktivität als Wohnort. Die Bedingungen für einen Übergang von einem Pilotprojekt in eine Regelstruktur seien erfolgreich erfüllt, dies weiterhin unter städtischer Trägerschaft. Der Stadtrat unterbreitet daher dem Grossen Stadtrat die Evaluation der Pilotphase des Familienzentrums im Rahmen einer Orientierungsvorlage. Familienfreundliche Stadt fördern Der Stadtrat habe für die Legislatur 2021 bis 2024 im Rahmen der Legislaturschwerpunkte den Fokus auf die Gestaltung einer lebendigen und familienfreundlichen Stadt gelegt, heisst es im Antrag an den Grossen Stadtrat. Das Familienzentrum begünstige die im Legislaturschwerpunkt definierte Unterstützung von Familien mit vielseitigen Angeboten und die Förderung von guten Aufwachsbedingungen für Kinder und Jugendliche massgeblich. Bezüglich des in der Evaluation festgestellten Entwicklungsbedarfs hat der Stadtrat die Stabstelle Quartierentwicklung beauftragt, diesen in den jeweiligen Bereichen zu prüfen und geeignete Massnahmen zum Entscheid vorzulegen. (shb.) Niederschwellige Angebote Die nach der vierjährigen Pilotphase durchgeführte Evaluation zeigt, dass das Familienzentrum sein Konzept als Begegnungsort und niederschwellige Anlaufstelle für Familien im Vorschulalter erfolgreich umsetzt und die anvisierten Ziele erfüllt Im Juni 2017 wurde das Familienzentrum am Kirchhofplatz eröffnet. Bild: Lara Gansser

Bock | Dienstag, 18. Januar 2022 Nachrichten 3 Aufwertung oder nur Sanierung? Die Schaffhauser Stadtbevölkerung muss am 13. Februar an der Urne über den Kredit für die Aufwertung der Bahnhofstrasse entscheiden. ABSTIMMUNGEN SCHAFFHAUSEN Nathalie Homberger Die Schaffhauser Stadtbevölkerung stimmt am Sonntag, 13. Februar, unter anderem über die Vorlage «Aufwertung Bahnhofstrasse» ab. Die Bahnhofstrasse sei sanierungsbedürftig. Aber nicht nur der Strassenoberbau, sondern auch die Bushaltestellen, die Sitzgelegenheiten und die Haltestellendächer seien in die Jahre gekommen, weshalb die Gelegenheit zur Gesamtaufwertung der Bahnhofstrasse genutzt werden solle. Laut dem Abstimmungsmagazin werde bei einer Aufwertung mehr Raum für die Passantinnen und Passanten sowie für den Ein- und Ausstieg der Fahrgäste geschaffen. Verkehrsabläufe würden verbessert werden, sechs neue Dächer würden zudem Schutz vor der Wetterlage und mit Bäumen bepflanzte Tröge zusätzliche Sitzgelegenheiten bieten. Eine Sanierung des Strassenbelags der Bahnhofstrasse sei unumgänglich. Daher soll gleichzeitig eine Aufwertung stattfinden. Bild: Nathalie Homberger Aufwertung versus Funktionalität Vertreterinnen und Vertreter aus SVP, SP, GLP, Grüne, Die Mitte, EVP, EDU sowie AL setzen sich für den Kredit zur Aufwertung ein. Vergangene Woche stellten Mitglieder der Baufachkommission des Grossen Stadtrats bestehend aus Jeanette Grüninger (SP), Markus Leu (SVP), Sandra Schöpfer (EDU) und Lukas Ottiger (GLP) das Projekt vor. Sie sind sich einig: Nachdem die Bauarbeiten rund um die Elektrifizierung der Stadtbusse abgeschlossen sind, sei der passende Zeitpunkt gekommen, die Bahnhofstrasse aufzuwerten. Damit würde unter anderem der erste Eindruck von Schaffhausen verbessert werden. Gemäss Projektbeschrieb werden Bruttokosten von 6,47 Millionen Franken anstehen. Das Projekt sei Teil des Agglomerationsprogramms, weshalb es von Bund und Kanton mitfinanziert wird. Demnach müsste die Stadt Schaffhausen 2,26 Millionen Franken in die Aufwertung investieren. «Dass die Bahnhofstrasse sanierungsbedürftig ist, ist unumstritten», erklärt Markus Leu. Der vergangenes Jahr gezogene Belag würde sowieso nur ein oder zwei Jahre halten. Für eine allgemeine Sanierung des Belags würden Kosten von 2,1 Millionen Franken entstehen. «Das heisst ohne Vorlage wäre es nur unwesentlich billiger», argumentiert Markus Leu. Die Befürworterinnen und Befürworter sind der Meinung, dass die Vorlage allen Bedürfnissen am besten entspreche. Wenn die Vorlage in der Abstimmung bewilligt werde, sei eine Realisation der Aufwertung bis im Jahr 2023 vorgesehen. Wer die Vorlage ablehnt, ist die FDP der Stadt Schaffhausen. Das Projekt würde ihrer Meinung nach Design vor Funktionalität stellen. Die Partei bemängelt, dass der Güterumschlag weiter weg von Bahn oder Post zum Löwengässchen verschoben und das Kurzparking komplett aufgehoben werde, eine Zufahrt zum Bahnhof oder zur Post gäbe es nicht mehr und beeinträchtigte und ältere Menschen hätten Mühe, zur Bahn oder zu den Bussen zu gelangen. «Wir wollen den öffentlichen Verkehr fördern, indem man ihn auch erreichen kann», schreibt die Partei in ihrer Parolenfassung. Bock-Blick Städtischer Baumbestand. Grün Schaffhausen ist für die Pflege des städtischen Baumbestands zuständig und kontrolliert die Bäume regelmässig. Ziel ist es, die Bäume möglichst lange zu erhalten. Beschädigungen, Krankheiten oder auch die altersbedingte Abnahme der Substanz führen aber dazu, dass immer wieder Bäume gefällt werden müssen. So mussten im Jahr 2021 insgesamt 45 Bäume gefällt werden. Dafür konnten in den städtischen Grünanlagen 46 neue Bäume gepflanzt werden. Gruppenangebot lanciert. Im Kanton Schaffhausen gibt es neu ein niederschwelliges Gruppenangebot für übergewichtige Kinder und ihre Eltern respektive Erziehungsberechtigten. STEPS (Schaffhauser Trainings- und Ernährungsprogramm für Schulkinder mit Übergewicht) wird von einem multidisziplinären Team geleitet mit dem Ziel, die Ess- und Bewegungsgewohnheiten der Kinder und Jugendlichen sowie der gesamten Familie langfristig zu verändern. Die Teilnahme an den wöchentlichen Sportstunden ist kostenlos. Unter gesundheitsfoerderung.sh.ch sind weitere Infos zu finden. Fasnacht abgesagt. Das Fasnachtskomitee Schaffhausen hat vergangene Woche in Absprache mit dem Gesundheitsamt des Kantons Schaffhausen entschieden, sämtliche Fasnachtsanlässe 2022 zu streichen. Trotz detailliertem Schutzkonzept sei der Anlass nicht durchführbar. Auch in Neuhausen wurde pandemiebedingt die Fasnacht abgesagt. Das finanzielle Risiko sei für das Organisationskomitee (OK) der Neuhauser Fasnacht nicht tragbar. (shb.)

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