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Bock E-Paper 2022 KW12

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14 finanzen und vorsorge

14 finanzen und vorsorge Bock | Dienstag, 22. März 2022 Revision des Erbrechts: Was gilt ab dem Jahr 2023? Fortsetzung von Seite 13. Auswirkungen auf Ehegüterrecht und Eigentumsquote Die Revision bringt aber noch mehr mit sich. Sie hat auch Auswirkungen auf das Ehegüterrecht: Eheverträge, welche die Begünstigung des überlebenden Ehegatten oder der überlebenden Ehegattin bezwecken, werden bereits mit der Einleitung der Scheidung – oder des Auflösungsverfahrens bei eingetragenen Partnerschaften – hinfällig und nicht erst mit der Rechtskraft des Urteils. Gleichzeitig gehen auch die Pflichtteilsansprüche der Ehegatten oder eingetragenen Partner unter. Letztwillige Anordnungen, mit denen sie sich gegenseitig begünstigen, verlieren ihre Gültigkeit. Die Reduktion des Pflichtteilsrechts wirkt sich auch auf die Regelung in Art. 473 des Zivilgesetzbuchs aus. Diese besagt, dass der überlebende Elternteil einen Teil der Erbschaft zu Eigentum erhält und am Restnachlass, den die Kinder erben, nutzniessungsberechtigt ist. Durch die Revision wird der überlebende Elternteil begünstigt, indem sich sein Eigentumsanteil von einem Viertel auf die Hälfte erhöht. Eine weitere Neuerung: Wer in seinem Erbvertrag andere Vertragsparteien begünstigt, der darf aus seinem Vermögen nichts mehr verschenken oder vererben. Neu kann im Erbvertrag festgehalten werden, dass dies doch noch möglich sein soll. Bestehende Nachlassplanungen hinterfragen Die Revision des Erbrechts gibt dem Erblasser oder der Erblasserin zwar mehr Flexibilität, die Vermögenswerte nach seinen oder ihren Wünschen zu verteilen. Um diese Freiheiten zu nutzen und die eigenen Vorstellungen in die Praxis umzusetzen, muss aber eine erbrechtliche Regelung wie z.B. ein Testament erstellt werden. Auch wenn es bereits eine Nachlassplanung gibt, macht es Sinn, diese mit Blick auf die Gesetzesrevision zu hinterfragen, wie die folgenden Beispiele zeigen: Haben Sie in einem Testament oder Vertrag Ihre Kinder auf den Pflichtteil gesetzt, ohne festzulegen, wie hoch er ist? Dann verringert sich der Anspruch Ihrer Kinder von aktuell drei Viertel des gesetzlichen Erbanspruchs auf neu die Hälfte. Ist das von Ihnen so nicht gewollt, müssen Sie handeln und die Quote, die Ihren Kindern minimal zustehen soll, schriftlich festhalten. Ähnlich sieht es bei den Eltern aus. Sind diese von Ihnen auf den Pflichtteil gesetzt worden, gehen sie nach dem 1. Januar 2023 leer aus, da der Pflichtteilsanspruch für Eltern nicht mehr besteht. Wollen Sie ihnen doch etwas vermachen, müssen Sie dies zu Papier bringen. Besteht zwischen Ihnen und Ihrer Ehefrau bzw. Ihrem Ehemann ein Ehevertrag, in dem Sie sich gegenseitig begünstigen? Unter dem neuen Recht ist dieser Vertrag mit der Einleitung des Scheidungsverfahrens automatisch nicht mehr wirksam. Wollen Sie das nicht, dann sollten Sie handeln und die Sache nach Ihrem Willen regeln. Haben Sie einen Erbvertrag abgeschlossen, in dem Sie andere Vertragsparteien als Erben eingesetzt haben? Dann können Sie künftig nichts mehr verschenken oder weitere Erben einsetzen, wenn Sie damit die Ansprüche der im Erbvertrag Begünstigten schmälern. Wollen Sie sich nicht so stark einschränken, sollten Sie festhalten, dass es Ihnen erlaubt ist, beispielsweise auch künftig Schenkungen vorzunehmen. Wie gehen Sie vor? Möchten Sie die zusätzlichen Freiheiten, die die Revision des Erbrechts eröffnet, nutzen und Ihren Nachlass regeln? Oder möchten Sie prüfen lassen, ob Ihre bestehende erbrechtliche Regelung auch unter dem neuen Erbrecht noch Ihrem Willen entspricht? Wenn ja, lohnt es sich auf jeden Fall, einen Spezialisten oder eine Spezialistin hinzuzuziehen. Das Wichtigste auf einen Blick: • Keine Änderung der Erbberechtigten • Reduktion der Pflichtteile der Nach kommen • Aufhebung des Pflichtteils der Eltern • Erhöhung der Eigentumsquote des überlebenden Elternteils bei der Nutzniessung nach Art. 473 ZGB • Wegfall des Pflichtteils der Ehegatten/eingetragenen Partner ab Einleitung Scheidungs-/Auflösungsverfahren • Wegfall der Gültigkeit von letztwilligen Anordnungen und Eheverträgen mit Begünstigungscharakter ab Einleitung Scheidungs-/Auflösungsverfahren • Vorbehalt gegen Schenkungsverbot bei Erbverträgen «Wir unterstützen Sie bei Steuererklärungen und Jahresabschlüssen» Rathausbogen 15 8200 Schaffhausen 052 624 15 53 info@pr-buchhaltungen.ch pr-buchhaltungen.ch ò Die Menschen ò Die Region ò Die Bank Seit 1817. Seit über 200 Jahren bietet die Ersparnis kasse Schaffhausen mit ihrer starken regionalen Verankerung eine auf die individuellen Be dürfnisse der Kunden zugeschnittene, flexible und zugleich kompetente Beratung an. Im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit stehen seit 1817 die Kunden. Mehr Möglichkeiten. www.ersparniskasse.ch Mit langjähriger Treuhand- und Steuererfahrung sowie dem Blick für das Wesentliche begleiten wir Sie partnerschaftlich, innovativ und zielorientiert. Büro Altstadt: Herrenacker 15 Büro Breite: Hohlenbaumstrasse 157 052 624 11 02 | www.bovadis.ch

Bock | Dienstag, 22. März 2022 15 finanzen und vorsorge Das Konkubinat bietet viele Freiheiten. Vorkehrungen sind daher noch wichtiger. Bilder: zVg. Gut abgesichert im Konkubinat Auf den ersten Blick bietet das Konkubinat gegenüber der Heirat viele Vorteile. Da Konkubinatspartner jedoch rechtlich weitgehend nicht abgesichert sind, empfiehlt es sich, frühzeitig Vorkehrungen zu treffen. FINANZEN SCHAFFHAUSEN Matthias Kuster, Ersparniskasse Schaffhausen Eine formelle, gesetzlich geregelte Partnerschaft tönt für viele Paare heute altmodisch und nicht mehr zeitgemäss. Sie ziehen deshalb das Konkubinat der Ehe vor. Aus finanzieller Sicht scheint diese Form des Zusammenlebens auf den ersten Blick nur Vorteile zu haben: Keine steuerliche «Heiratsstrafe», zwei unplafonierte AHV-Renten statt einer Ehepartnerrente sowie klar getrennte finanzielle Verhältnisse. In der Praxis funktioniert dies meistens gut, solange beide Partner erwerbstätig sind. Doch beim Konkubinat lauern auch ein paar finanzielle Fallen, besonders bei der Vorsorge. Während Ehepartner per Gesetz gut abgesichert sind, fehlen solche Bestimmungen für Konkubinatspartner weitgehend. Wer in einer «wilden Ehe» lebt, tut deshalb gut daran, einige Dinge zu beachten und frühzeitig zu regeln. Wir nennen Ihnen dazu vier wichtige Punkte für das Zusammenleben im Konkubinat, für die Absicherung im Alter oder beim Todesfall des Partners: • Erstellen Sie einen Konkubinatsvertrag Auch wer ohne gesetzliche Rechte und Pflichten zusammenlebt, tut gut daran, die wichtigsten (finanziellen) Sachverhalte des Zusammenlebens schriftlich festzuhalten. Etwa die Modalitäten der Wohnsituation, ein Inventar über Vermögen und Schulden, die Haushaltsführung, Schenkungen oder Unterhaltszahlungen. • Melden Sie Ihren Partner Ihrer Pensionskasse und 3. Säule Anders als bei der AHV haben Konkubinatspartner bei den Pensionskassen und der privaten Vorsorge unter gewissen Bedingungen Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente. Informieren Sie sich über die genauen Bedingungen der Begünstigung und die nötigen Formalitäten. • Regeln Sie Ihren Nachlass Anders als Verwandte sind Konkubinatspartner keine gesetzlichen Erben. Mit einem Testament können Sie dafür sorgen, dass Ihr Partner einen Teil oder das gesamte Vermögen erhält. Der Anteil ist abhängig von allfälligen gesetzlichen Erben mit Pflichtteilschutz. Diese Pflichtteile werden im Jahr 2023 mit der Revision des Erbrechts angepasst. Im Gegensatz zur Ehe fallen für Konkubinatspartner auf dem Erbe meist Erbschaftssteuern an. • Erstellen Sie einen Vorsorgeauftrag Sollten Sie urteilsunfähig werden, bestimmt die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) jemanden, der Sie in Ihren finanziellen Angelegenheiten vertritt. Wollen Sie, dass Ihr Konkubinatspartner dies tun kann, können Sie einen entsprechenden Vorsorgeauftrag aufsetzen. Für den medizinischen Bereich empfiehlt es sich, eine Patientenverfügung aufzusetzen, so dass auch hier Ihr Partner entscheiden kann. Matthias Kuster berät Kundinnen und Kunden der Ersparniskasse Schaffhausen auch zum Thema Vorsorge. Gewisse dieser Regelungen können Sie relativ formlos selbst aufsetzen, in einigen Fällen müssen Sie aber gewisse Formalitäten beachten, damit die Dokumente gültig sind. Besprechen Sie die Angelegenheiten im Zweifelsfall mit einer Anwältin, einem Notar oder dem Finanzexperten Ihres Vertrauens. Planen Sie Ihre Pensionierung frühzeitig Vereinbaren Sie ein kostenloses Erstgespräch Wie sieht Ihre finanzielle Situation nach der Pensionierung aus? Können Sie sich einen frühzeitigen Berufsausstieg leisten? Verschaffen Sie sich den Überblick über Ihre persönliche Situation. Unsere Pensionierungsspezialisten Hannes Wipf, +41 52 635 23 10 und Massimo Cardone, +41 52 635 23 00 beraten Sie gerne. www.shkb.ch/pensionierung

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