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Bock E-Paper 2023 KW21

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2 Bock | Dienstag, 23. Mai 2023 Hintergrund Mit einem Podcast Tabus brechen Ein Ort der offenen Diskussionen: Die Schaffhauserin Giulia Sorrentino spricht in ihrem Podcast «The Shameless Place» mit viel Leichtigkeit und ohne Hemmungen über Themen, welche in der Gesellschaft oftmals als Tabu gelten. PODCAST SCHAFFHAUSEN Lara Gansser Für einmal sitzt Giulia Sorrentino auf der anderen Seite: Normalerweise befragt die 28-Jährige ihre Interviewpartner:innen und Klient:innen, heute stellt sie sich den Fragen der «Bock»-Redaktorin. Neben den persönlichen Life-Coachings, welche die Schaffhauserin seit Herbst 2022 anbietet, hat Giulia Sorrentino den Podcast «The Shameless Place» (Deutsch: der schamlose Ort) ins Leben gerufen. In diesem sprechen Expert:innen und Betroffene über gesellschaftliche Tabuthemen und ihre eigenen Lebensgeschichten: Angefangen bei emotionalem Essen und Fressattacken über Fragen wie «Was willst du wirklich in einer Beziehung?» oder «Was sind die Konsequenzen, ohne einen Vater aufzuwachsen?» bis zu einem Interview mit einer Energieheilerin zum Thema Gefährliche Selbstvermarktung der Gewerkschafter KOLUMNE – POLITIK SCHAFFHAUSEN Nina Schärrer (FDP) Er gehört zum Daily Business der Gewerkschaften: der Ruf nach höheren Löhnen. Eigentlich sollte man meinen, dass diese Forderung in Zeiten von Vollbeschäftigung und Fachkräftemangel leiser wird, denn der Markt regelt sich selbst. Wer einen Job sucht, hat heute gute Karten, seine Forderungen in Bezug auf Lohn oder Arbeitspensum durchzusetzen. Firmen ihrerseits nehmen ihre Verantwortung als Arbeitgeber wahr und investieren viel Energie und Geld darin, im Kampf um gute Mitarbeitende zu bestehen. Trotzdem fordert der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) genau jetzt einen gesamtschweizerischen Mindestlohn für alle Branchen. Konkret soll dieser bei 4 500 Franken liegen; mit Berufslehre bei mindestens 5 000 Franken, auch schon direkt nach der Ausbildung. In Zeiten von Vollbeschäftigung und Fachkräftemangel scheint diese Forderung wenig Konsequenzen zu haben. Doch die arbeitsmarktliche Situation verändert sich laufend. Ein gesetzlich festgelegter Mindestlohn jedoch bleibt. Und was sich sozial anhört, ist bei genauerer Betrachtung brandgefährlich. Durch einen Mindestlohn steigen die Lohnforderungen aller Angestellten eines Unternehmens. Die Folge: Preise steigen und es wird weniger Personal beschäftigt. Opfer sind häufig die Schwächsten im System. Denn viele Unternehmen können es sich schlicht nicht mehr leisten, einen ungelernten Flüchtling, einen Lehrabgänger oder einen Hilfsarbeiter einzustellen, wenn nicht nur der Schulungsaufwand gross ist, sondern auch die Lohnkosten. Das Ziel, mit Mindestlöhnen Armut zu bekämpfen, wird also deutlich verfehlt. Krankheiten. «Mit meinem Format will ich Denkanstösse zu mit Scham behafteten Themen geben», so die Podcasterin. Die Folgen dauern zwischen 15 Minuten und 1,5 Stunden – 15 an der Zahl hat die Schaffhauserin bisher veröffentlicht und zählt durchschnittlich zwischen 80 und 200 Hörer:innen. Das Gespür für Menschen Giulia Sorrentino ist in Herblingen aufgewachsen und hat dort die obligatorische Schule absolviert. «Ich wusste immer, was ich beruflich nicht will, aber nie, was ich will», erinnert sie sich. Nach dem zehnten Schuljahr, das die Pferdefanatikerin berufsbegleitend neben dem Praktikum zur Bereiterin absolvierte, entschied sie sich nach langem Überlegen für eine Lehre als Coiffeuse. «Ich habe den Beruf geliebt – das Kreative, etwas mit den Händen zu erschaffen und gleichzeitig so viele verschiedene Menschen kennenzulernen.» Auch Im Gegenteil wird damit sogar vielen der Berufseinstieg verunmöglicht und damit die Chance verwehrt, durch Selbstverantwortung und Fleiss den beruflichen Ein- und Aufstieg zu schaffen. Die Frage bleibt offen, ob die Befürworter des Mindestlohns diese drohenden Folgen wirklich nicht sehen oder ob sie diese sogar bewusst in Kauf nehmen, um ihre eigene Daseinsberechtigung zu fördern. Denn würde der Mindestlohn umgesetzt und käme es in wirtschaftlich schwierigen Zeiten aufgrund der unnatürlich hohen Lohnkosten zu Entlassungen, hätten die Gewerkschaften einen neuen Grund, um gegen Unternehmen zu wettern. Wo wir schon bei ständigen Forderungen nach höheren Löhnen sind: Vor genau einer Woche wurde ein neues Themenfeld eröffnet, die Frauenberufe. Der SGB wittert hier eine Lohndiskriminierung. Mit der Gleichstellung müsse es nun endlich vorwärtsgehen, deshalb fordert er höhere Löhne in von Frauen dominierten Branchen. Was aber regulatorische Massnahmen bezüglich des Lohns von nur einem Geschlecht mit Gleichstellung zu tun haben sollen, ist mir schleierhaft. Der Grund für die durchschnittlich tieferen Frauenlöhne in der Schweiz liegt nicht in einer systematischen Diskriminierung, sondern unter anderem in der freien Berufswahl jeder einzelnen Frau. Hinzu kommen häufig zu beobachtende Unterschiede der Geschlechter bezüglich Karrierezielen, Lohnforderungen oder der klassischen Rollenverteilung bei der Familiengründung. Vieles haben wir Frauen also selbst in der Hand. Wir müssen selbst um unsere Lohnerhöhungen kämpfen und unseren Töchtern auch Berufsfelder ausserhalb der klassischen «Mädchenberufe» schmackhaft machen. Das ist es, was ich unter Gleichstellung verstehe. Dass der SGB seine Forderungen mit dem Stempel der Gleichberechtigung versieht, ist nichts anderes als effekthascherische Selbstvermarktung. nach Lehrabschluss arbeitete sie über fünf Jahre im Beruf weiter. Was sie jedoch immer störte: «Man musste sehr viel leisten und hat wenig verdient. Ich habe in dieser Zeit gelebt, um zu arbeiten.» Daraufhin weitete sie ihren Blick aus: «Psychologie, Persönlichkeitsentwicklung und Spiritualität haben mich schon immer interessiert», erzählt sie. «Auf natürliche Art habe ich ein gutes Gespür für Menschen und las bereits als 13-Jährige Bücher zu diesen Themen.» Somit entschied sie sich für die einjährige Ausbildung zur ILP- Coachin. Hauptberuflich arbeitete Giulia Sorrentino zwischenzeitlich in der Produktion bei der IWC, später in einem Kaffeemaschinengeschäft und aktuell in der Kleiderboutique La Strada in der Schaffhauser Altstadt. «Ich war schon immer vielseitig interessiert.» Doch ihre Berufung fand sie erst im Coachingbereich – woraufhin sie weitere Tages- und Wochenendseminare besuchte und mittlerweile ihr Festanstellungs-Pensum in der Boutique auf 50 Prozent reduziert hat. Eigenen Lösungsansatz finden Den definitiven Schritt in die Selbständigkeit machte Giulia Sorrentino im Herbst 2022. «Momentan gibt es einen richtigen Boom an Coaching-Angeboten», stellt die 28-Jährige fest. «Und trotzdem hat es lange gedauert, bis ich es wirklich wagte.» Gezielte und die richtigen Fragen stellen und ihr Gegenüber intuitiv spüren sieht sie als ihre grössten Stärken. «Der Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe ist für mich besonders wichtig. Die Menschen sollen ihren Lösungsansatz finden und von keiner Therapie und keinem Coaching abhängig werden.» Sie selbst hat wertvolle Erfahrungen damit gemacht. «Es gibt immer wieder Punkte im Leben, in denen man alleine nicht weiterkommt. Und in diesen Momenten ist man sich selbst zu nahe und es tut gut, wenn einem jemand den Spiegel hinhält.» Podcasts wie Sand am Meer Vergangenen November riss Giulia Sorrentino ein weiteres Projekt an: ihren eigenen Podcast. Wie es dazu kam? «Während meiner Arbeit in der Produktion habe ich mit dem Podcast hören begonnen», erzählt sie. «Schon damals reizte es mich, einen eigenen Podcast aufzubauen. Denn ich bin grundsätzlich ein Fan von tiefgründigen Gesprächen.» funkerhütte vor dem aus GESELLSCHAFT SCHAFFHAUSEN Gestern Montag hat der Schaffhauser Stadtrat die Kleine Anfrage von Grossstadtrat Marco Planas in Bezug auf die Funkerhütte beantwortet. Der Inhalt dieser Antwort ist für die Betreiber der Kulturräumlichkeit im hinteren Mühlental ernüchternd, denn offenbar sei gemäss dem Stadtrat die Notwendigkeit gegeben, die Hütte abzubrechen. Die Enttäuschung seitens Heiner Egli ist riesig. «Leider besteht beim Stadtrat offenbar kein Interesse, auf die Bedürfnisse der Bevölkerung einzugehen», so «Ich bin ein grosser fan von tiefgründigen Gesprächen» Giulia Sorrentino Coachin und Podcasterin Perspektiven erweitern: Giulia Sorrentino spricht in ihrem Podcast «The Shameless Place» über Themen, welche in der Gesellschaft oftmals als Tabu gelten. Bild: zVg. Einmal sei die 28-Jährige dann an einer Geburtstagsfeier gewesen und mit einem Partygast ins – vertiefte – Gespräch gekommen. «Plötzlich begannen die Personen um uns herum zuzuhören und meinten, das sei ja wie bei einem Podcast.» Und so wurde der Gedanke schnell zur Realität – es entstand eine Folge unter dem Namen «Talk deep to me». Damit war die erste Hemmschwelle genommen und Giulia Sorrentino baute die Idee für sich selbst aus. «Es gibt Podcasts wie Sand am Meer», stellte die Schaffhauserin schnell fest. «Aber ich spreche auf meine eigene Art über Themen, über die man oft nicht gerne redet, und zeige den Menschen damit, dass sie mit ihren Herausforderungen nicht alleine sind.» Anfangs hat sie vor allem Podcasts in Interviewform produziert – beispielsweise sprach sie mit einer Energieheilerin oder anderen Coaches. Bald reihten sich aber auch Solofolgen in die Reihe von «The Shameless Place» ein. «Das brauchte besonders viel Überwindung, vor allem weil ich nicht weiss, wer es hört oder was es in den Menschen auslöst.» Diskutieren nicht gleich streiten «I dem Podcast wird ganz vill diskutiert und noh meh hinterfrogt – und das ganz ohni Scham» – so lautet das Intro der schweizerdeutschen Podcastreihe, die auf Spotify und Apple Podcasts zu hören ist. Giulia Sorrentino führt aus: «Viele Menschen sind bei Themen wie Sexualität oder der konsternierte Hüttenwart. Die Heizzentrale sei Bestandteil einer vertraglich zugesicherten Wärmeversorgung mit der International School Schaffhausen, Grün Schaffhausen und voraussichtlich weiteren Interessenten, wie es in der Antwort heisst. Die Funkerhütte scheint nach aktuellstem Stand definitiv dem Tode geweiht. «Wir müssen das weitere Vorgehen zuerst im Team besprechen, um abschätzen zu können, ob wir weiter für die Hütte kämpfen», meint Heiner Egli. Die Solidarität innerhalb der Bevölkerung sei immens gewesen, seit der Fall durch den «Bock» öffentlich gemacht wurde, sagt der Betreiber. Die Enttäuschung müsse auch Geld sehr gehemmt.» Diskutieren habe keinesfalls mit Streiten zu tun, sondern sei ein Weg, um andere Perspektiven zu bekommen. Ob 15 oder 90 Minuten – die Folgen werden nicht nach einer Norm produziert, sondern so wie es aus dem Gespräch heraus passt. «Jede:r braucht mal jemanden, der einem den Spiegel vorhält. Das Hauptziel ist es, dass ich Denkanstösse geben und Perspektiven erweitern kann.» Die Liste mit den Themen, welche sie noch behandeln will, ist lang: Sexualität, Geld, Drogen, Selbstmord, Prostitution, Gewalt oder das Leben mit einer Behinderung stehen darauf. Die Podcasterin bietet Menschen mit ihrem Format einen Raum, wenn sie über ein Thema sprechen wollen, und ist dementsprechend offen für weitere Anfragen. «Ich liebe es, interessante Menschen und ihre einzigartigen Geschichten kennenzulernen.» Mit Blick auf die Zukunft wünscht sich die 28-Jährige eines Tages von der Coachingtätigkeit leben zu können. «Ich kann mir gut vorstellen irgendwann noch Seminare zu geben», so Giulia Sorrentino und betont abschliessend: «Ob mit einem Podcast, in einem persönlichen Coaching, im Gespräch mit einer Freundin oder mithilfe einer Therapie – mir ist wichtig, dass sich Menschen, die verzweifelt sind und keinen Ausweg mehr sehen, Unterstützung suchen.» Denn ob in Bezug auf die persönliche oder die berufliche Weiterentwicklung – den richtigen Zeitpunkt, mit etwas anzufangen, gebe es nie. «Aus meiner Sicht ist man dann bereit, wenn man damit anfängt.» Weitere Infos zum Podcast und den Coachings sind unter giuliasorrentino.ch zu finden. Die Funkerhütte im hinteren Mühlental ist dem Tode geweiht. Bild: Ronny Bien nun zuerst mal verarbeitet werden. Das Happy End scheint in weite Ferne gerückt zu sein. (rob.)

Bock | Dienstag, 23. Mai 2023 Nachrichten 3 EIn Treffen im Zeichen der Rover Zeit für Motorhauben-Gespräche: Über 60 Rover-Fans trafen sich vom 18. bis zum 21. Mai in Schaffhausen zum internationalen Rover-Treffen. OLDTIMER SCHAFFHAUSEN Lara Gansser Vom Auffahrtsdonnerstag bis am Sonntag versammelten sich über 60 Roverliebhaber:innen in Schaffhausen zum alle zwei Jahre stattfindenden internationalen Rover-Treffen. Neben einem vielseitigen Programm, bei dem die Teilnehmenden aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, Holland und Luxemburg die Region Schaffhausen auch zu Fuss und mit dem Schiff erkundeten, war die grosse Ausfahrt durch das Zürcher Wyland am Samstagnachmittag sicherlich das Highlight. 35 Rover fuhren am Donnerstag in der Munotstadt vor. Hinter dem Steuer: grösstenteils Paare, aber auch einige Familien. «Der Altersdurchschnitt liegt sicher im oberen Segment», so Christian Kessler vom Rover-Club Schweiz, der sich mit der «Schaffhauser-Connection» um André Barteld und Thomas Erb um die Organisation kümmerte. «Wir schätzen das Interesse und den Austausch über die Generationen hinaus.» Bei den Autos selbst sei dies ähnlich: «Es gibt zwei Schwerpunkte bei den Rovern. Die aus den 1960er und 70er Jahren und die ‹jungen› mit Baujahr Ende 90er bis 2005.» Im Vordergrund standen die ausgiebigen «Motorhauben-Gespräche», wie Christian Kessler in der Fachsprache sagt. So zelebrierte die Gruppe den Anlass nach der Ausfahrt in Rheinau bei einem traditionellen englischen Afternoon- Tea bevor sie das Treffen auf dem Beringer Randen ausklingen liessen. Nach der Ausfahrt durch das Zürcher Wyland stand ein grosses Fotoshooting mit den 35 Rovern auf dem Klosterplatz in Rheinau auf dem Programm. Bilder: Richard Auer / André Barteld Während dem internationalen Rover-Treffen kamen die Fahrzeuge in der Tiefgarage unter dem Hotel Vienna House unter. Gemeinsam fachsimpeln: Die Rover-Fans erfreuten sich an der Vielseitigkeit der Autos der älteren und neueren Generation. Bock-Blick Bahn frei. Einen Monat lang standen die Züge zwischen Schaffhausen und Erzingen still. Dies, weil am Südende des Schaffhauser Bahnhofs diverse Weichen ausgetauscht und neu eingesetzt wurden. Seit gestern Montag merken die Zugpassagiere, dass bei der Einfahrt vom Klettgau kommend kein Geruckel zu verspüren ist. Gemäss den Verantwortlichen sollen durch die Arbeiten mehrere Züge ohne Wartezeiten gleichzeitig ein- und ausfahren können. Bühne frei. Dank des politischen Vorstosses durch die Juso, Junge Grünliberale und Junge Grüne mit der Petition «Für ein lebendiges Rheinufer» ist ein erster Erfolg verzeichnet worden. Wie Tim Bucher in den sozialen Medien verkündet, sei für diesen Sommer ein Kompromiss mit der Stadt Schaffhausen vereinbart worden. So sollen deutlich weniger Veranstaltungen in der Rhybadi gestrichen werden. «Unsere Botschaft ist in der Politik angekommen, dass Kunst, Kultur und Gastronomie keine Selbstverständlichkeiten sind», schreibt der agile Jungpolitiker. Abo-frei. Good News für die Stadtjugend. Voraussichtlich ab dem kommenden Jahr erhalten Teenager zwischen 12 und 18 Jahren einen Gutschein für ein um 200 Franken vergünstigtes Jahresabo der Ostwind Kernzone 810. Die Vergünstigung darf auch auf ein anderes Jahresabo gewährt werden, welches die Ostwindzone 810 mitenthält. Für die Stadt Schaffhausen entstehen jährliche Kosten von maximal 29 5000 Franken. Über den wiederkehrenden Kredit entscheidet der Grosse Stadtrat unter dem Vorbehalt des fakultativen Referendums. (shb.)

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