Offizielles Organ des Schaffhauser Bauernverbandes und seiner Fachsektionen | Nr. 34 | Dienstag, 01. September 2026 schaffhauser bauer 2 Millionen HOF-GEZWITSCHER LARA JÄCKLE - WINZELER Zwei Millionen Franken. Das klingt nach viel Geld. Die Migros will damit Landwirtschaftsbetriebe unterstützen, die durch die diesjährige Trockenheit in eine existenzbedrohende Situation geraten sind. Diese Hilfe ist zwar gut gemeint und für einzelne betroffene Bauernfamilien sicherlich willkommen, doch was löst sie aus? Schauen wir mal genauer hin. In der Schweiz gibt es rund 47000 Landwirtschaftsbetriebe. Teilt man die zwei Millionen Franken rein rechnerisch auf diese Betriebe auf, bleiben gerade einmal rund 43 Franken pro Betrieb (unterstützt werden gezielt Härtefälle). Die Rechnung zeigt aber, wie schnell eine vermeintlich grosse Summe relativiert wird. Viel entscheidender ist für mich jedoch eine andere Frage: Warum sind Landwirtschaftsbetriebe überhaupt so rasch auf Unterstützung angewiesen? Unsere Bäuerinnen und Bauern wollen doch nicht von Spenden und Hilfsfonds leben. Sie wollen für ihre Produkte fair entlöhnt werden. Wer Lebensmittel produziert, trägt Verantwortung, investiert viel Zeit und Kapital und geht erhebliche unternehmerische Risiken ein. Diese Arbeit muss einen Wert haben und dieser Wert muss sich im Produzentenpreis widerspiegeln. Produkte müssen so entschädigt werden, dass die Aufwände der Betriebe decken, dass die Arbeit angemessen entschädigt ist und in guten Jahren Reserven gebildet werden können, damit man auch genügend «Spatzig» für ein Jahr wie dieses hat. Stattdessen schaffen wir nun einen neuen Mechanismus: Ein Betrieb gerät in Not und muss ein Gesuch stellen, seine Situation darlegen und auf Unterstützung hoffen. Damit entsteht ausgerechnet für jene Betriebe zusätzlicher administrativer Aufwand, die bereits mit den Folgen eines schwierigen Jahres beschäftigt sind. Ist das wirklich der Weg, den wir für unsere Landwirtschaft wollen? Die zwei Millionen bekämpfen ein aktuelles Symptom. Sie lösen aber nicht die Ursache. Nachhaltig stärken wir unsere Landwirtschaft nicht, indem wir nach einem schwierigen Sommer Geld spendiert bekommen. Wir stärken sie, indem wir für Produkte das ganze Jahr über fair bezahlt werden. Unser Ziel muss eine Landwirtschaft sein, die von ihrer Arbeit leben kann und nicht eine, die auf Unterstützung angewiesen ist. Unsere Medienmitteilung «Faire Preise statt Almosen» finden sie auf unserer Website. Denn am Ende geht es nicht um zwei Millionen Franken. Es geht um die Frage, welchen Wert wir der Arbeit unserer Bauernfamilien geben. Ein Leben zwischen Blumen Ein kleines Lädeli, ein Estrich voller kopfüber aufgehängter Blumen und dahinter ein Garten, bei dem man aus dem Staunen kaum herauskommt. Auf Winzeler’s Blumenhof in Dörflingen zieht Claudia Winzeler über 50 Blumenarten und -sorten selbst auf. Daraus entstehen Sträusse, die fast das ganze Jahr ihren Weg zur Kundschaft finden. BLUMEN AUS DER LANDWIRTSCHAFT DÖRFLINGEN Nici Peter Wer Claudia Winzeler an einem Morgen auf dem elterlichen Betrieb in Dörflingen sucht, findet sie mit grosser Wahrscheinlichkeit zwischen ihren Blumen. Über 50 verschiedene Arten und Sorten wachsen hier. Einige stehen in voller Blüte, andere zeigen erst ihre Knospen. Dazwischen summt und brummt es. Die Bäuerin geht durch die Reihen und sucht aus, was an diesem Tag in ihre Sträusse kommt. Was wann blüht, ist dabei keineswegs dem Zufall überlassen. Hinter der Blütenpracht steckt viel Planung, denn Winzeler möchte möglichst immer eine Auswahl aus eigener Produktion anbieten können. «Der Laden ist von März bis Weihnachten geöffnet.» Vom Pferdestall zum Blumenladen Nur wenige Schritte vom Garten entfernt liegt der kleine Blumenladen. Einst standen hier die Pferde ihres Grossvaters. Später stellte ihr Vater seinen ersten Traktor in den ehemaligen Stall. Die Gärtnerin räumte schliesslich alles heraus und verwandelte den Raum in einen kleinen, heimeligen Blumenladen. Heute stehen dort ihre selbst gebundenen Sträusse bereit. Bezahlt wird bar oder per Einzahlungsschein. «Manchmal habe ich auch Euro im Kässeli», erzählt sie lachend. Der Selbstbedienungsladen ist täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Ihr Vater übernimmt das Öffnen und Schliessen, da Winzeler zwei Dörfer weiter wohnt. Auch ihr Mann und ihre beiden Kinder unterstützen sie tatkräftig bei der Arbeit rund um den Blumenhof. Kopfüber aufgehängt trocknen die Blumen auf dem Estrich. Bild: Nici Peter Ausser sonntags schneidet die Bäuerin jeden Morgen frische Blumen. Sechs bis zehn schnittfrische Sträusse stellt sie täglich in den Laden. Frische und Qualität sind ihr wichtig. «Eine Blume muss immer perfekt sein.» Mehr als zwei Tage bleibt deshalb kein Strauss im Laden. Blumen im Kopf Wann muss welche Sorte ausgesät werden? Wann kommt sie ins Beet und wann muss sie geschnitten werden? Wer Winzeler durch ihren Garten begleitet, merkt schnell: In ihrem Kopf steckt ein erstaunlicher Kalender. Aufgeschrieben wird davon nur wenig. Bereits im Januar beginnt die Anzucht im Gewächshaus. Im März kommen die ersten Pflanzen nach draussen und im August sät die Gärtnerin bereits wieder für das kommende Jahr aus. Das Gewächshaus hilft ihr, die Saison bis in den November zu verlängern und schützt empfindliche Sorten vor Kälte oder zu viel Regen. Im Hochsommer erreicht die Blütenpracht ihren Höhepunkt, ausgerechnet während der ruhigeren Ferienzeit. Dass dann mehr Blumen blühen, als sie verkaufen kann, stört Winzeler nicht. Lieber habe sie zu viele als zu wenige. An Floristen liefern möchte sie trotzdem nicht, denn damit wären regelmässige Lieferungen verbunden. «Ich bin ein Einfraubetrieb.» Diese Freiheit möchte sie bewahren. Schon immer Blumen Dass Blumen zu ihrem Betriebszweig wurden, kommt nicht von ungefähr. Winzeler ist als Bauerntochter aufgewachsen. «Mein Leben dreht sich schon immer um Blumen.» Sie wurde Gärtnerin und sammelte später Erfahrungen in der Floristik. Als feststand, dass sie gemeinsam mit ihrem Mann den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb weiterführen würde, nahm die Idee Gestalt an. Vor über vier Jahren startete sie mit der eigenen Schnittblumenproduktion. Werbung machte sie dafür nie, eine Website gibt es bis heute nicht. Einzig auf Instagram kann man den Blumenhof verfolgen. Trotzdem lief der Verkauf von Anfang an gut. Ein zweites Leben auf dem Estrich Auf dem Estrich über dem Blumenladen hängen zahlreiche Blumen kopfüber zum Trocknen. Damit kann die Bäuerin auch später im Jahr auf Blumen aus eigener Produktion zurückgreifen. Das hat bereits ihre Mutter so gemacht. «Früher waren getrocknete Blumen eher verpönt.» Heute seien sie wieder im Kommen. Inspiration holt sich Winzeler unter anderem bei «Slow Flowers»-Accounts in den sozialen Medien. Dort entdeckt sie neue Sorten und Ideen. Claudia Winzeler inmitten ihrer Blumenpracht. Über 50 verschiedene Arten und Sorten wachsen in ihrem Garten. Bild: Nici Peter Auch beim Trocknen ist der richtige Zeitpunkt entscheidend. «Ich trockne sie, wenn sie am Aufgehen sind. Wenn sie bereits blühen, kann man sie nicht mehr trocknen.» Schon vor dem Abschneiden weiss die Gärtnerin deshalb meist, wofür eine Blume bestimmt ist. Ein Garten voller Leben Der Blumengarten ist gleichzeitig Lebensraum. Käfer krabbeln zwischen den Pflanzen, Schmetterlinge flattern von Blüte zu Blüte und Vögel finden Nahrung. Selbst Blattläuse bereiten kaum grössere Probleme. «Es kommt vor, dass einmal ein Lausbefall auf einigen Blumen da ist. Das regelt die Natur aber eigentlich mit den Nützlingen von selbst.» Was gibt es Neues auf dem Markt? Welche Sorte könnte zu ihrem Betrieb passen? Wie lässt sich die Saison verlängern? Solche Fragen beschäftigen Winzeler ständig. Hat sie eine interessante Sorte entdeckt, informiert sie sich und bestellt das Saatgut. Nicht jeder Versuch gelingt. Umso grösser ist ihre Freude, wenn etwas Neues daraus entsteht. Momentan hat es ihr besonders eine violette Eustoma angetan. Wenn der Hagel alles zerstört Wie abhängig ihre Arbeit von der Natur ist, musste die Bäuerin im vergangenen Jahr erfahren. Mitten in der Hochsaison zog ein Hagelsturm über Dörflingen und beschädigte die Blumen stark. Drei Wochen lang musste sie ihren Laden schliessen. Eine schmerzhafte Erfahrung. Doch heute kann Winzeler auch etwas Positives darin sehen. «Dafür konnte ich in dieser Zeit ein paar Ausflüge mit der Familie geniessen, was sonst nicht möglich gewesen wäre.» Die Kundschaft wartet auf sie Im Winter wird aufgeräumt und bereits für die nächste Saison vorbereitet. Im März öffnet der Laden mit den ersten Blumen wieder seine Türen. Viele Kundinnen und Kunden warten dann bereits gespannt darauf. Dass ihre Arbeit so geschätzt wird, bedeutet Winzeler viel. Besonders freut sie, dass sie mit ihren Blumen anderen Menschen eine Freude machen kann. Aber auch der Garten selbst gibt ihr etwas zurück. Wenn sie einen Käfer beobachtet oder die Schmetterlinge zwischen den Blumen tanzen sieht, ist sie glücklich. Und wer mit ihr durch diese Blütenpracht geht, merkt schnell: Hinter Winzeler’s Blumenhof steckt Herzblut. Viel Herzblut. Momentan hat es Claudia Winzeler besonders die violette Eustoma angetan. Bild: Nici Peter Anzeige Obstsorten-Ausstellung mit Degustation von über 100 Sorten aus der Region. Samstag, 12. September 2026, 9-17 Uhr, Fronwagplatz Schaffhausen mit Sortenberatung, Bestellung für Hochstammobstbäume, Anmeldung für Obstbaumschnittkurs. Veranstalter: Obstgarten-Aktion Schaffhausen und Regionaler Naturpark Schaffhausen
Offizielles Organ des Schaffhauser Bauernverbandes und seiner Fachsektionen | Nr. 34 | Dienstag, 01. September 2026 15 schaffhauser bauer LANDFRAUEN ECKE TAG DES LETZTEN CERVELAT «Ein Zetteli war der Grund…» Ein Cervelat gibt zu reden Genau vor zehn Jahren hatte ich Sibylle kennengelernt. Sie wohnte Garten an Garten mit meinem Sohn. Schon damals erlebte ich sie als hilfsbereite, liebenswürdige Person und diese Eigenschaften beeindrucken mich heute noch. Jetzt treffe ich sie an ihrem Arbeitsplatz. Es ist ruhig geworden, alle Gäste sind in den Feierabend gegangen. Für Sibylle heisst es noch, fertig aufzuräumen und zuputzen. Dies bewerkstelligt sie in ihrer ruhigen, gelassenen Art, die sie auszeichnet. Auf den Tischen stehen bereits ordentlich zusammengestellte Blumenvasen mit Sonnenblumen, die Aschenbecher und die eingepackten Backwaren. Wir setzen uns an den Gartentisch. Draussen ist es kühler, weil ein leichtes Lüftchen durch die Gasse weht. Mit sechzehn auf in die Welt Sibylle wagte als junge Frau mutige Schritte für ihre Zukunft. Diese innere Festigkeit hatte sie im glücklichen Umfeld ihrer Familie auf einem Bauernhof entwickeln dürfen. Bereits mit sechzehn Jahren begann für sie eine abenteuerliche Zeit als Au-pair in Renens bei Lausanne, fernab der Heimat. Im Anschluss zog es sie weiter nach Frauenfeld und Luzern, wo sie sich einfach mutig als Pflegehelferin in den Spitälern vorstellte. Weil ein Lehrabschluss doch von grösserem Nutzen ist, absolvierte sie die Postscheckamtlehre. «Das Berufsangebot in dieser Form gibt es heute leider nicht mehr», bedauert sie. Zurück aufs Land ins Heimatdorf In der Leuchtenstadt lernte sie auch ihren Mann kennen und lebte mit ihm und ihren zwei Jungs in Sursee. Durch die Arbeitsstelle ihres Mannes zog es sie 1996 nach Löhningen zurück. «Wir dachten, es wäre schön, mit den Kindern wieder auf dem Land in einem Dorf zu leben», begründete sie diesen Entscheid. Als liebende Mutter zweier Kinder mit auslastendem Haushalt reizte sie die Möglichkeit doch, stundenweise bei der Spitex zu arbeiten. Damit die Abwechslung im Leben nicht zu kurz kam, engagierte sie sich im Samariterverein, wo sie ihrem angeborenen Drang, Menschen zu helfen, ausleben konnte. Auch das Turnen und die Landfrauen bereicherten ihre Freizeit. Anschluss dank den Landfrauen Zu den Landfrauen stiess Sibylle Zingg durch ihre Mutter. Diese war seit der Gründung der Sektion Oberklettgau sehr aktiv mit dabei und erzählte jeweils begeistert von den grossartigen Angeboten und Reisen. So trat auch Sibylle der lokalen Sektion bei, sobald sie mit ihrer Familie wieder in Löhningen wohnte. Sie betont: «Der Kontakt im Dorf und mit den Frauen war mir wichtig.» Nach zwölf Jahren Abwesenheit war vieles im Dorf fremd geworden. Die meisten Veranstaltungen fanden abends statt, was den Müttern entgegenkam. Sibylle erfreute sich an Bastelabenden, spannenden Kursen und besonders an den Kochvorführungen, die vor Ort abgehalten wurden. Speziell die Ausflüge zur Insel Mainau und ins Bundeshaus sind ihr in bester Erinnerung geblieben. Der Landfrauenverein ist für sie ein Schweizer Brauchtum, das wieder vermehrt gelebt werden sollte. Unverhofft kommt etwas Neues Sibylle war glücklich bei der Spitex. Doch der Hinweis einer guten Arbeitsfreundin auf einen Aushang brachte sie auf einen neuen beruflichen Weg. «Ein Zetteli war der Grund zur Lebensveränderung», erklärt Sibylle lächelnd. Darauf stand: Ladenlokal zu vermieten. Zuvor hatte es dort ein Verkaufsgeschäft mit Süssigkeiten und dem Ausschank diverser Getränke gegeben. Und so wagte sie vor sieben Jahren den Schritt in die Selbständigkeit, um künftig Gäste zu verköstigen. Wichtig waren ihr immer die Menschen, Sibylle tut anderen gern etwas Gutes. «Vom Alter her war es nochmals möglich, etwas Neues und anderes anzupacken», meint sie tatkräftig. Viel Positives fügte sich in die neue Aufgabe mit ein. Sie begann mit einem schlichten Angebot. Heute kocht Sibylle in eigener Regie kleine, einfache Menüs und backt die Kuchen selbst. Das ist zu ihrer Leidenschaft geworden, die ihr auch sehr viel Zeit abverlangt. Dank Aushilfskräften bleibt ihr aber doch noch Zeit zum Lesen, zum Wandern und Fahrrad fahren. Auf meine Frage, ob sie einen Tick habe, sagt sie: «Ja, das habe ich, denn ich kann an keiner Bücherschür, -kiste, oder -telefonkabine vorbei gehen. Ich muss immer ein Buch mitnehmen.» So vielseitig Sibylles Leben war und ist - ein Abenteuer zwischen zwei Buchdeckeln geniesst sie daneben immer wieder gern. Maja Leu das schwarze brett Räbhüüsli Hallau Samstag, 5. September, ab 12 Uhr Sonntag, 6. September, ab 11 Uhr Mit Lukas, Andrea und Werner Bringolf 100 m ab Parkplatz Bergkirch www.räbhüüsli-hallau.ch Brotstand des Landfrauenvereins Lohn an der Lohnemer Chilbi Samstag, 5. September, 12 bis 18 Uhr Obstsorten-Ausstellung Degustation von Schaffhauser Lokalsorten und Sortenberatung Samstag, 12. September, 9 bis 17 Uhr Fronwagplatz Schaffhausen Veranstalter: Obstgarten-Aktion SH und Regionaler Naturpark Schaffhausen Was darf künftig auf den Teller? Am «Tag des letzten Cervelats» suchte der Schaffhauser Bauernverband bewusst das Gespräch mit der Stadtbevölkerung. Dabei zeigte sich: Die Ernährungsinitiative wirft Fragen auf und nicht alle haben ihre Meinung bereits gebildet. Auf dem Fronwagplatz war der Andrang gross: Mitglieder der Vorstände des Schaffhauser Bauernverbands und des Verbands Schaffhauser Landfrauen grillierten und verteilten über 270 Cervelats. Bilder:SHBV Eine Warteschlange bildete sich am Mittwochabend auf dem Fronwagplatz. Der herrliche Grillgeruch verriet schnell, weshalb: Es gab einen frisch grillierten Cervelat, und zwar für alle und erst noch gratis. Über 270 Cervelats gingen im Laufe des Abends über den Grill. Die einen setzten sich auf die bereitgestellten Bänke und genossen den Abend, andere blieben am Stand stehen, stellten Fragen und diskutierten. «Die Ernährungsinitiative möchte doch den Selbstversorgungsgrad auf 70 Prozent erhöhen. Das wäre doch eigentlich auch im Sinne der Landwirtschaft. Warum seid ihr trotzdem dagegen?», wollte eine junge Frau zwischen Grill und Cervelatausgabe wissen. Eine berechtigte Frage und eine, die zeigte, weshalb der Schaffhauser Bauernverband an diesem Abend nicht nur Cervelats verteilen wollte. Ein Ziel, das zunächst gut klingt Am 27. September stimmt die Schweizer Bevölkerung über die Ernährungsinitiative ab. Diese verlangt unter anderem, dass der Netto-Selbstversorgungsgrad innerhalb von zehn Jahren auf mindestens 70 Prozent steigt. Dafür soll eine vermehrt auf pflanzlichen Lebensmitteln basierende Ernährungsweise gefördert und die Landund Ernährungswirtschaft entsprechend ausgerichtet werden. Bundesrat und Parlament lehnen die Initiative ab. Sie beurteilen die Ziele innerhalb von zehn Jahren als kaum erreichbar und rechnen bei einer Annahme mit starken staatlichen Eingriffen in Produktion und Ernährungsgewohnheiten. Gerade der angestrebte höhere Selbstversorgungsgrad klingt auch für manche Besucherinnen und Besucher auf dem Fronwagplatz zunächst positiv. Doch aus Sicht der Landwirtschaft liegt die Schwierigkeit in der Umsetzung. Ein grosser Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz besteht aus Wiesen und Weiden. Wiederkäuer können das dort wachsende Gras in Lebensmittel wie Milch und Fleisch umwandeln. Eine starke Verlagerung hin zur pflanzlichen Produktion würde deshalb weitreichende Veränderungen für die Schweizer Landwirtschaft mit sich bringen. Genau über solche Zusammenhänge wurde an diesem Abend diskutiert. «Darum ist so ein Anlass gut» Eine Mutter aus Beringen kam mit ihrem Kind zufällig am Stand vorbei. Ihr kleiner Sohn hatte Hunger und freute sich über den Cervelat. «Ich finde es gut, dass wir in der Schweiz eine gewisse Vielfalt an Lebensmitteln haben. Auch Regionalität und das Einkaufen auf dem Markt sind mir wichtig», sagte sie. Sie könne sich durchaus vorstellen, weniger Fleisch zu essen. Grundsätzlich wünsche sie sich aber, dass die Vielfalt erhalten bleibe. Auch zwei Herren, die ihren Cervelat gemütlich am Tisch genossen, kamen mit dem Bauernverband ins Gespräch. Mit der Initiative hätten sie sich bisher erst grob beschäftigt. Beide essen Fleisch und Käse und trinken Milch. Einer hatte sich seine Meinung bereits weitgehend gebildet: «Die Initiative ist mir zu extrem.» Sein Kollege war noch unentschlossen. «Der Gedanke, den Selbstversorgungsgrad zu erhöhen, hört sich für mich grundsätzlich gut an», sagte er. Entscheidend sei jedoch die Umsetzung. «Wir können ja eigentlich nichts dagegen haben, dass wir uns selber ernähren.» Inhaltlich sei das Ziel schön, bei der Umsetzung werde es jedoch schwierig. Noch habe er sich nicht ausführlich genug mit der Vorlage beschäftigt, um sich abschliessend festzulegen. Gerade deshalb schätzte er die Möglichkeit zum Austausch: «Darum ist so ein Anlass gut, um sich umzuhören.» Auch Stimmen aus dem Ausland waren zu hören. Ein interessierter Besucher erklärte, er dürfe in der Schweiz zwar nicht abstimmen, stehe zusätzlichen staatlichen Vorgaben aber grundsätzlich skeptisch gegenüber. Bewusst mitten in die Stadt Dass der Schaffhauser Bauernverband für die Aktion mitten in die Stadt ging, war kein Zufall. Präsident Christian Müller verbrachte einen grossen Teil des Abends im Gespräch mit Besucherinnen und Besuchern. «Wir sind bewusst in die Stadt gegangen, weil sich die Stadtbevölkerung bei Abstimmungen häufig anders verhält als die Landbevölkerung. Deshalb ist uns die Aufklärung hier besonders wichtig», erklärte er. Überrascht habe ihn auch, wie unterschiedlich die Menschen waren, die am Stand Halt machten und einen Cervelat genossen. Jung und Alt sowie Menschen verschiedenster Herkunft kamen zusammen. Für Müller zeigte der Abend damit auch, dass traditionelle Lebensmittel wie der Cervelat bei ganz unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen beliebt sind. Er sei überzeugt, dass die Menschen auch künftig selber entscheiden möchten, ob ein Cervelat auf ihrem Teller liegt. Die Schaffhauser Aktion war Teil des nationalen «Tags des letzten Cervelats». An insgesamt 82 Standorten in der Schweiz wurden am Mittwoch Cervelats verteilt, um auf die Ernährungsinitiative und deren mögliche Auswirkungen aufmerksam zu machen. Unterstützt wurde der Schaffhauser Bauernverband vom Verband Schaffhauser Landfrauen. Mitglieder beider Vorstände standen gemeinsam am Grill, bei der Ausgabe und im Gespräch mit der Bevölkerung. Die Landfrauen steuerten zudem selbst gebackenes Brot bei, das bei den Besucherinnen und Besuchern grossen Anklang fand. Nici Peter Röss Zoller bekam am Mittwochabend den ersten«letztenCervelat»undliessihnsich schmecken. Anzeige Anzeige Flick- und Reparaturarbeiten aller Art: Malerarbeiten, Dachdeckerarbeiten, Instandhaltungsarbeiten rund ums Haus, professionelle Reinigung für Haus und Gewerbe. Samuel Reinhardt Tel. 076 628 01 36 Schweizersbildstrasse 35, 8200 Schaffhausen schaffhausersanierungen@mail.ch FEIERE MIT UNS! Herbstsonntag Trasadingen “Es Dorf volle Velo” 12./13. September 2026 Samstag ab 14:00 Uhr Sonntag ab 11:00 Uhr Ausstellung zum Thema Velo-Parcour Fun-Velos Live-Musik Festbeizlis Weindegustationen Pferdekutschenfahrten am Samstag Abend Liveband Thorus und Barbetrieb Impressum Schaffhauser Bauer Offizielles Organ des Schaffhauser Bauernverbandes und seiner Fachsektionen Erscheint jeden Dienstag Redaktion: Nici Peter (npe) Schaffhauser Bauer, Lendenbergstrasse 19, 8226 Schleitheim Telefon: 079 208 89 34 E-Mail: redaktion@schaffhauserbauer.ch Internet: www.schaffhauserbauer.ch Anzeigenannahme: Verlag Bock | Telefon: 052 632 30 30 E-Mail: francesco.berenati@bockonline.ch Annahmeschluss: Jeweils Donnerstag, 9 Uhr
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