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Bock E-Paper KW02_21

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8 FoKus Bock IHR PARTNER FÜR DIE REGION SCHAFFHAUSEN. 052 687 22 22 GARAGEGASSER.CH since 1980 Service & Reparaturen aller Marken SH_bock_2020_Auto_113 x 45 mm.indd 1 18.12.2019 16:27:24 Themen-Vorschau «Drohungen gehören dazu» Fast jedes Jahr sind die Schlagzeilen zu lesen: «Gewalt gegenüber Polizisten nimmt zu.» Auch in Schaffhausen scheinen Drohungen und Angriffe zum Leben einer Polizistin oder eines Polizisten dazuzugehören. Der «Bock» hat zwei von ihnen auf einer Standardpatrouille begleitet – und wurde Zeuge von übelsten Beleidigungen. Musik Die Sängerin Lill Ferrys veröffentlicht ihr neustes Werk «The First Man of my Life» – ihrem Vater gewidmet. Bei praktisch jeder Patrouille passiere etwas, sagen Rahel Wenger und Stephan Günter. Die meiste Zeit verbringen sie aber nicht unterwegs, sondern am Bürotisch beim Verfassen von Rapporten und anderen Arbeiten. Bild: Yves Keller POLIZEI SCHAFFHAUSEN Yves Keller Ein garstiger Mittwochnachmittag in der Schaffhauser Altstadt. Der Himmel weiss nicht so recht, ob es regnen oder schneien soll und lässt ein unangenehmes Gemisch aus beidem auf die glitschigen Pflastersteine fallen. Rahel Wenger und Stephan Günter zieht es trotzdem nach draussen. Während rund eineinhalb Stunden patrouillieren sie durch die Strassen der Munotstadt. Was ruhig beginnt, endet in einer Hasstirade. Gewalt im Einsatz Vom Polizeigebäude aus gehen Rahel Wenger und Stephan Günter die Vordergasse hoch, über den Fronwagplatz zum Bahnhof. Hier gebe es immer wieder Probleme und eine regelmässige Anwesenheit der Polizei sei wichtig, erklären sie. Vor der «Sky Bar» fällt ihnen ein Auto mit Zuger Kennzeichen auf, das offenbar in die Bahnhofstrasse reingefahren war, obwohl seit kurzem auch in diesem Bereich ein Fahrverbot herrscht. Stephan Günter geht auf das stehende Fahrzeug zu und bittet den leicht verdutzten Fahrer des Wagens um den Führerausweis, während Rahel Wenger das Geschehen von der anderen Seite des Autos überblickt. Ein älterer Mann mit schwerem Gang läuft dahinter auf dem Trottoir vorbei, lugt unter seinem Schirm hervor und murmelt: «Tip top so. Dra neh!» Es dürfte ihm wohl keine Freude bereiten, wenn er erfahren würde, dass die Polizisten in diesem Fall von einer Busse absehen. Stephan Günter erklärt: «Die Baustelle ist neu und unübersichtlich, bis vor kurzem durften Autos hier noch reinfahren. Der Fahrer kennt sich hier aus, hat aber die neue Signalisation übersehen. In diesem Fall wäre eine Busse unverhältnismässig.» «Ich bekam eine Faust ins Gesicht und brach mir das Jochbein.» Rahel Wenger Schaffhauser Polizistin Beim Weitergehen haben die beiden Polizisten Zeit, um dem Journalisten aus ihrem Berufsalltag zu erzählen. Ja, die Arbeit sei schwieriger geworden, finden sie. Und ja, Drohungen und Angriffe gehörten dazu. Rahel Wenger erzählt, wie sie bei Einsätzen schon einige Male physische Gewalt erlebte: «Es gibt immer wieder brenzlige Situationen. Einmal bekam ich eine Faust ins Gesicht und musste wegen eines geprellten Jochbeins zum Arzt. So etwas geht schon nicht spurlos an mir vorbei.» Stephan Günter hat bisher im Einsatz noch keine Verletzungen davongetragen, bedroht werde er aber regelmässig, manchmal auf übelste Art und Weise: «Leute sagten mir schon, dass sie mich und meine Familie umbringen würden. Ich kann damit aber relativ gut umgehen, weil ich davon ausgehe, dass sie meine Uniform bedrohen und nicht mich als Person. Das macht mir nicht viel aus. Ich weiss nicht, vielleicht bin ich da auch ein bisschen naiv.» «Auch üble Beschimpfungen lassen mich relativ kalt.» Der Weg zur Polizei Zu ihrem Beruf gekommen sind Rahel Wenger und Stephan Günter auf unterschiedlichen Wegen. Stephan Günter, der heute Gruppenchef ist, meldete sich in seiner Militärausbildung für die Polizei an. Gedacht war das am Anfang fast mehr als Jux. «Ich war in der Unteroffiziersschule und bemerkte, dass ein Kollege ein Bewerbungsverfahren bei der Kantonspolizei Zürich hatte und dafür zwei Freitage bekam. Da dachte ich, diese Freitage will ich auch und habe mich in Schaffhausen Stephan Günter beworben. Hätte mir ein Schaffhauser Polizist Jahr zuvor jemand gesagt, dass ich zur Polizei gehen würde, hätte ich laut gelacht.» Nach dem Militär hat sich Stephan Güter definitiv für die Polizeischule beworben und ist seit 2003 ausgebildeter Polizist. Etwas systematischer bei ihrer Karrierewahl ging die in Bern aufgewachsene Rahel Wenger vor. Sie hätte schon immer gewusst, dass sie einen Beruf ausüben wolle, bei dem sie den Leuten helfen könne. Dafür hätten viele verschiedene Berufe zur Verfügung gestanden, gibt sie zu, aber: «Ich bin eine Person, die gerne Regeln hat, da machte es für mich Sinn zur Polizei zu gehen und das habe ich bis heute nicht bereut.» Wutausbruch in der Unterführung Auf ihrem Patrouillengang gehen Rahel Wenger und Stephan Günter praktisch durch die ganze Stadt, vom Schwabentor bis zur Schifflände, sie kontrollieren versteckte Winkel, zeigen mit ihrer Anwesenheit Präsenz. Es sei wichtig, erklärt Rahel Wenger, dass die Polizei eine gewisse sichtbare Anwesenheit zeige und so für Sicherheit sorge. Auf ihren Patrouillen gebe es immer wieder Momente, in denen es wichtig sei, dass sie vor Ort sind. Ihr Kollege, Stephan Günter stellt darauf entspannt fest: «Heute ist es ausserordentlich ruhig.» Nur wenige Minuten ist es mit dieser Ruhe jäh zu Ende und die beiden stehen in der Bahnhofsunterführung einem laut drohenden Mann gegenüber, der sich weigert, eine Schutzmaske anzuziehen. Auf die Aufforderung, den Regeln zu entsprechen, reagiert der Mann mit lautem Fluchen. Mit waagrecht ausgestrecktem Mittelfinger schreit er auf die Polizisten ein und kommt ihnen immer näher. Passantinnen und Passanten bleiben stehen und beobachten das Geschehen schamlos aus nächster Nähe. Der schreiende Mann deckt die Beamten mit Verschwörungswortfetzen von «Vatikan» bis «Nazis» ein und gipfelt seine Hasstirade mit: «Wenn ihr so weitermacht, habe ich das Recht auf Totschlag!» Eine direkte Drohung. Trotzdem bleiben Rahel Wenger und Stephan Günter ruhig und begleiten den immer noch laut gestikulierenden Mann, ohne dass er es zu merken scheint, aus der Bahnhofsunterführung. Später erklären sie dem Journalisten, dass der Mann polizeibekannt sei: «Er ist in der Regel harmlos», erläutert Stephan Günter: «Trotzdem müssen wir in solchen Situationen besonders auf der Hut sein, weil sie oft unberechenbar sind. Zudem müssen wir auch stets die Leute in der Umgebung im Blick behalten. Es kann immer sein, dass eine kontrollierte Person Freunde hat, die uns von hinten angreifen könnten.» Rahel Wenger ergänzt: «Mein Puls ging etwas hoch, das Adrenalin auch und ich stellte mir sofort einige wichtige Sicherheitsfragen. Wir waren da auf einem engen Raum mit vielen Leuten und er hatte viele Gegenstände dabei, mit denen er uns gegenüber hätte gefährlich werden können. Da läuft in mir automatisch die Eventualplanung ab.» Nachdem sie die Situation mit dem drohenden Mann geklärt haben und auch die Gaffenden von dannen gezogen sind, entscheiden sich Rahel Wenger und Stephan Günter auf den Polizeiposten zurückzukehren. Der Himmel hat sich unterdessen für Regen entschieden, was bei rund einem Grad alles andere als angenehm ist. Zurück im Büro sind beide an der Wärme und im Trockenen, die Arbeit geht ihnen aber auch hier nicht aus. Stephan Günter erklärt: «Die meiste Büez verrichten wir hier. 80 Prozent unserer Betätigung besteht unterdessen aus Büroarbeit.» CHF 100.- Jetzt sparen beim Abschluss eines Mobile @home Abos Die Aktion ist gültig bei Neuabschluss oder Upgrade (ausserhalb der Mindestvertragsdauer) eines Mobile @home Abos. Gültig bis 31.03.2021 und nicht kombinierbar mit anderen Promotionen. Nur in Verbindung mit einem Internet @home Abo. Die Wechselprämie wird in Form einer einmaligen Gutschrift gegen die Abogebühren verrechnet.

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