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Bock E-Paper KW04_21

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10 FoKus Bock Ihr Partner für die Region Schaffhausen. Ihre Werkstatt für alle Marken. 052 687 22 22 garagegasser.ch Themen-Vorschau «Was mached Sie für Seich?!» Geschichte 50 Jahre Frauenstimmrecht würdigen. Jozef Hanulik bezwang vor 45 Jahren als erster Mensch den Rheinfall in einem Kajak. Unten warteten zahlreiche Schaulustige auf ihn – und die Polizei. Im «Bock» blickt er nochmals auf den Höllenritt zurück und gibt zu, dass er ziemlich wahnsinnig gewesen sei. ABENTEUER NEUHAUSEN Yves Keller Wer Jozef Hanulik zuhört, muss wach sein, denn seine Gedanken sprudeln mindestens so schnell aus ihm heraus, wie die Wassermassen am Rheinfall in Neuhausen in die Tiefe stürzen. Er erzählt von seiner Zeit als Tauchlehrer in Korsika oder von einem Professor, der ihn in seinem ETH-Studium fragte: «Herr Hanulik, Hand aufs Herz, gehören Sie dazu?» Während er spricht, lachen seine Augen und strahlen eine Lebensfreude aus, die schon fast in einem krassen Gegensatz zur todesmutigen Fahrt von 1976 steht. Minutiöse Vorbereitung In der Tschechoslowakei geboren, kam Jozef Hanulik nach dem Einmarsch der Russen als Flüchtling in die Schweiz und begann ein Chemie-Ingenieur-Studium an der ETH Zürich. Wenig später besuchte er zum ersten Mal den Rheinfall und fühlte sich vom ersten Moment an von den Wassermassen, die hier am Felsen vorbeidonnerten, angezogen. «Ich habe noch nie so viel Wasser gesehen und war total begeistert vom Rheinfall. Da dachte ich mir, da könnte ich doch runterfahren», sagt der heute 71-Jährige. Diese Idee liess ihn nicht mehr los und so besuchte er fortan regelmässig Neuhausen. Unzählige Male warf er oberhalb des Rheinfalls Hölzer in den Rhein, um zu studieren, wo die optimale Route durchgehen würde. Immer wieder passierte es, dass die Hölzer in eine Walze gerieten und teilweise erst nach sieben Minuten von den Wassermassen wieder freigegeben wurden. Für das Studium der perfekten Route am Rheinfall unterbrach Jozef Hanulik sogar das Studium an der ETH für zwei Semester. Neben der detaillierten Routenplanung arbeitete er auch an seiner Physis. Jeden Tag schwamm er bis zu drei Kilometer, tauchte bis zu 29 Meter in die Tiefe und schwamm 72 Meter unter Wasser. Falls es ihn beim Sprung ins Rheinfallbecken in eine Walze nehmen würde, wollte er vorbereitet sein. Sein vier Meter langes Kajak hatte eine Sollbruchstelle, damit er nicht eingeklemmt werden konnte und vorne trug er eine Pressluftflasche mit Luft für sieben Minuten. Das entsprechende Atemluftmundstück montierte er im Stahlgittersichtschutz seines American-Football-Helms so, dass er auch bei einer Bewusstlosigkeit noch Luft bekommen würde. Jozef Hanulik vor der Erstbefahrung, ausgestattet mit einer stark aufgeblasenen Schwimmweste als Genickschutz, einem Footballhelm und einer Pressluftflasche. Erste erfolgreiche Rheinfallbezwingung 1976. Obwohl er als Erster den Rheinfall in einem Kajak bezwang, sagt Jozef Hanulik heute: «Das grösste Abenteuer war für mich die Finanzierung des Studiums mit dem nächtlichen Taxifahren. Da hatte ich mehr zu kämpfen.» Bilder: zVg. Von Freunden abgezockt Am 21. Februar 1976 war es dann soweit. Nach einer mehrere Jahre dauernden Vorbereitung stürzte sich Jozef Hanulik den Rheinfall hinunter. «Mit einer richtigen Wut im Bauch!», sagt er heute noch leicht verärgert. Was war geschehen? Bis auf einen, sprangen alle Helfer eine Stunde vor der Rekordfahrt ab. «Die kriegten alle Angst. Die meisten kamen wie ich aus der Tschechoslowakei und wollten sich in der Schweiz einbürgern lassen. Auf einmal hatten sie das Gefühl, dass die Teilnahme an diesem Unterfangen ihrer Einbürgerung schaden könnte.» Das Spektakel liessen sich die meisten aber trotzdem nicht entgehen. Jozef Hanulik erinnert sich: «Statt die Rettungsseile nahmen sie den Fotoapparat in die Hand. Einer von ihnen verlangte später von mir sogar 500 Franken für ein Foto» Immerhin: Das Medieninteresse an seinem spektakulären Stunt war so gross, dass es sich für Jozef Hanulik auch finanziell doch noch lohnte. Der «Blick» zahlte ihm für ein paar Fotos 800 Franken und der deutsche Verlag «Burda» blätterte sogar 7000 Franken hin. Von der Polizei erwartet Die ganze Bezwingung des Rheinfalls dauert deutlich länger, als das anzunehmen ist. Jozef Hanulik machte, da wo es möglich war, im Wasser Zwischenstopps, um die weitere Route nochmals klar vor sich zu «Statt die Rettungsseile, nahmen sie den Fotoapparat in die Hand» Jozef Hanulik über die Helfer bei seiner Bezwingung des Rheinfalls sehen. Insgesamt war er so rund eine Stunde unterwegs, bevor er ins Rheinfallbecken eintauchte, eine halbe Eskimorolle machte und ohne grössere Probleme weiterpaddeln konnte. Die Erstbefahrung war geglückt! Allzu lange konnte er sich über diese Meisterleistung allerdings nicht freuen, am Ufer wartete neben vielen Schaulustigen auch bereits die Polizei auf ihn. Jozef Hanulik lacht und sagt: «Die Befahrung des Rheinfalls war damals ja noch nicht verboten, aber halt sehr gefährlich. Der Polizist stand vor mir und sagte ungläubig: ‹Was machen Sie da für Seich?!› Ich entgegnete ihm, dass ich nun sehr müde sei und fragte ihn, ob er mir helfen könne, das Kajak zu tragen, was er tatsächlich tat.» Die Polizisten halfen ihm, das Boot bis zum Parkplatz zu tragen. Leben als Abenteuer Auch heute ist Jozef Hanulik noch immer abenteuerlustig. Oft zum Leidwesen seiner Frau Ingrid. Sie sei von Natur eine eher risikoaversive Person, sagt sie: «Wären wir damals schon zusammen gewesen, hätte ich ihm das mit der Rheinfallbefahrung sicher ausgeredet.» Sie macht eine kurze Pause und fährt dann schmunzelnd fort: «Vor rund zehn Jahren meinte Jozef, er müsse im Schwimmbad auf der Stahlstange des Geländers vom Holzsteg balancieren. Er stürzte und brach sich fünf Rippen. Solche Dinge passieren ihm ab und zu, er hat offenbar eine gewisse Verachtung für das eigene Leben.» Sie schaut mit einem Lachen im Gesicht zu Jozef Hanulik und er gibt zu: «Stimmt schon, früher war ich unsterblich. Aber die Unsterblichkeit lässt langsam nach.» Die von Jozef Hanulik auf einem Foto eingezeichnete Route. Korrigendum In der Reportage über die Schaffhauser Polizei in der letzten Ausgabe des «Bocks» vom 12. Januar hiess es, dass der Polizistin Rahel Wenger bei einem Einsatz das Jochbein gebrochen wurde. Korrekt ist, dass sie sich beim Einsatz eine Prellung des Jochbeins zuzog. Wir bitten, diese Unstimmigkeit zu entschuldigen. (yk.) Mit eurer Unterstützung holen wir die Punkte: Kadetten – GC Amicitia Zürich NIK TOMINEC Flügel rechts Freitag, 5. Februar, 19.00 Uhr, BBC-Arena Kadetten Schaffhausen. Führend in der Nachwuchsförderung: 11 eigene Spieler im NLA-Kader.

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