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Bock E-Paper KW12_21

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12 finanzen und Vorsorge

12 finanzen und Vorsorge Bock | Dienstag, 23. März 2021 freiheit mit risikobereitschaft, oder sicherheit und planbarkeit? In unserer Beratungstätigkeit stellt sich die wiederkehrende Frage, wie sich Personen mit Hinblick auf die Pensionierung verhalten sollen. Es besteht dabei eine grosse Unsicherheit, ob von der Pensionskasse die Rente oder das Kapital bezogen werden soll. Mit dem Absinken des Umwandlungssatzes verstärken sich diese Überlegungen zusätzlich. RENTENKAPITAL NEUHAUSEN Jonas Keller, Mäder + Baumgartner Neuhausen* Der Umwandlungssatz definiert die Höhe der Rente basierend auf dem angesparten Kapital. Das heisst: Wenn Sie 100 000 Franken angespart haben, beträgt Ihre Rente beim aktuellen Umwandlungssatz von 6,2 Prozent anschliessend 6200 Franken pro Jahr. Sinkt der Umwandlungssatz auf 5,0 Prozent, bedingt durch die aktuelle Alterspyramide (heutige Rentenbeziehende werden teilweise von aktuellen Rentenzahlenden finanziert) und das Tiefzinsumfeld, wäre die jährliche Rentenzahlung nur noch 5000 Franken. Sicherheit der lebenslangen Renten Die Sicherheit einer lebenslangen Rentenleistung erachten viele als grossen Vorteil: Sie erhalten jeden Monat eine fixe Rente analog des monatlichen Lohnes während der Erwerbstätigkeit und können so ihren Lebensunterhalt auf dieser Basis planen. Der grosse Pluspunkt der Rentenlösung ist die Tatsache, dass sie die Rente in der festgelegten Höhe bis ans Lebensende erhalten. Im Todesfall kommt die Ehegattin beziehungsweise der Ehegatte vielfach in den Genuss einer Witwen- oder Witwerrente. Sie haben somit klare Verhältnisse und *Jonas Keller ist diplomierter Steuerexperte, diplomierter Wirtschaftsprüfer und zugelassener Revisionsexperte sowie Partner der Mäder + Baumgartner AG in Neuhausen. Planungssicherheit, zumal sie zusätzlich die AHV-Rente erhalten, die ebenfalls bis ans Lebensende ausgerichtet wird. Den Kapitalbezug investieren Beim Kapitalbezug wird ihnen im Rahmen der Pensionierung ihr angespartes Vorsorgekapital vollständig ausbezahlt. Sie bekommen mit dieser Lösung deutlich mehr finanziellen Handlungsspielraum, allerdings auch deutlich mehr Verantwortung. Denn dieses Geld muss bis zum Lebensende der Bezügerin beziehungsweise des Bezügers reichen. Sie müssen es selbst einteilen und tragen das Langlebigkeitsrisiko. Im Gegenzug zur Rente geht im Todesfall das verbleibende Kapital an die Erben über. Sinnvollerweise sollte das aus dem Kapitalbezug ausbezahlte Geld investiert werden. Damit tragen Bezügerinnen und Bezüger aber auch das entsprechende Anlagerisiko. Wenn sie Verluste machen, haben sie für ihren Lebensunterhalt im Alter weniger Geld zur Verfügung. Falls sie aber das Geld erfolgreich anlegen, haben sie mehr Kapital für sich auf der hohen Kante. Vermögensverzehr für viele ein Problem Falls sie kein weiteres Vermögen beziehungsweise keine weiteren Einnahmequellen haben, müssen sie mit dem Geld aus dem Kapitalbezug, zusammen mit der AHV-Rente, ihren Lebensunterhalt bestreiten, indem sie einen Vermögensverzehr vornehmen. Sie müssen somit selbst in der Lage sein, das Geld zu investieren oder aber die Vermögensverwaltung an Fachleute delegieren, was allerdings nicht kostenlos ist. Das Anlagerisiko tragen sie trotzdem. Der Vermögensverzehr stellt für viele Leute ein psychologisch grosses Problem dar. Schliesslich haben sie ein Leben lang für dieses Vermögen gespart und möchten nun die Vermögenshöhe beibehalten. Ein Pluspunkt bei dieser Variante sind neben dem grösseren finanziellen Handlungsspielraum die Steuern. Den Kapitalbezug müssen sie einmalig gleich bei der Pensionierung versteuern, zu einem reduzierten Steuersatz. Für Leute im Rentenalter stellt sich die Frage, von welchem Gefäss (Rente oder Kapitalbezug) sie ihr Geld beziehen sollen. Positiv ist aber, dass sie danach den monatlichen Vermögensverzehr nicht mehr versteuern müssen, sondern nur noch das Kapital mit der Vermögenssteuer besteuert wird, die jedoch erheblich tiefer als die Einkommenssteuer (Dividenden und Zinserträge unterliegen weiterhin der Einkommenssteuer) ausfällt. Die Rente hingegen müssen sie, so wie den Lohn in Zeiten der Erwerbstätigkeit, als Einkommen versteuern. Keine allgemeinverbindliche Antwort Schliesslich müssen Sie sich (allenfalls mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner) überlegen, was Ihnen im Alter wichtig ist. Sind Sie bereit, die Risiken der Anlage selbst zu tragen und haben dafür mehr Freiheit? Oder ist Ihnen Sicherheit und Planbarkeit wichtig? Eine allgemeinverbindliche Antwort gibt es dazu nicht. Um eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu haben, lohnt es sich, eine Pensionsanalyse und -planung durchführen zu lassen. Im Rahmen dieser Analyse sollte auch das mögliche Einkaufspotenzial in die Pensionskasse analysiert werden. Haben Sie Deckungslücken, können Sie diese – bei entsprechendem Vermögen – mit Einkäufen in die Pensionskasse schliessen. Ein Einkauf ist dann steuerlich abzugsfähig, wenn innerhalb von drei Jahren kein Kapitalbezug aus der Pensionskasse erfolgt. Nebst den Pensionskasseneinkäufen soll die private Vorsorge weiter gestärkt werden. Gemäss den parlamentarischen Diskussionen zur dritten Säule wird angestrebt, dass Personen mit einem AHV-Einkommen, Bilder: mt. / zVg. die in früheren Jahren keine oder nur Teilbeiträge in die Säule 3a einzahlen konnten, die Möglichkeit erhalten, dies nachzuholen. Diese nachträglichen Beiträge sollen dann vollumfänglich vom steuerbaren Einkommen im Einkaufsjahr abgezogen werden können. Der Ausgang dieser Diskussion ist noch offen, da heute nur ein Drittel der Säule-3a-Kontobesitzenden überhaupt den Maximalbetrag einbezahlt haben oder einzahlen können. Abschliessend erleben wir in der Praxis meist einen Mix aus Kapitalbezug und Rentenbezug. Damit Sie sich aber überhaupt für eines dieser Modelle (Rente, Kapitalbezug, Mix) entscheiden können, ist eine Analyse und Auslegeordnung wichtig. Erfolgt diese frühzeitig, können die nötigen Hebel noch gestellt werden. Hypo60+ Ihr Zuhause auch als Rentner geniessen ò unkompliziert ò innovativ ò persönlich Individuell anlegen clientis.ch/anlegen Anlagestrategie? Auf Kurs. Oft sind im Alter die flüssigen Mittel knapp, weil die Ersparnisse im Eigenheim gebunden sind. Durch tiefere Einkünfte nach der Pensionierung wird eine Aufstockung der Hypothek seitens Banken wegen deren Tragbarkeit meist verwehrt. Wenn ein Verkauf aber keine Option ist, so bietet die Hypo60+ die perfekte Lösung, um die eigenen vier Wände weiter zu geniessen. www.ersparniskasse.ch Mehr Möglichkeiten.

Bock | Dienstag, 23. März 2021 13 Finanzen und Vorsorge Anlegen statt sparen – trotzdem finanziell flexibel bleiben Früher war das doch viel einfacher: Sie legten Ihr Geld auf dem Bankkonto an und kassierten regelmässig Zinsen. Das Vermögen wuchs dank des Zinseszinseffektes. Sparen lohnte sich. Oder doch nicht? Was zwanzig Jahre Tiefzinspolitik für Ihre Sparziele bedeuten, wie Sie Ihr Vermögen vermehren und trotzdem flexibel bleiben, wollen wir Ihnen hier aufzeigen. FINANZEN SCHAFFHAUSEN Christian Hefti, Schaffhauser Kantonalbank* «Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr». Dieses Zitat mag etwas angestaubt sein, es behält aber seine Gültigkeit. Leider ist Hans nicht mehr so gelehrig wie Hänschen. Seit Jahren füllen Zeitungen Spaltenmeter mit Hinweisen, dass Sparerinnen und Sparer die grossen Verliererinnen und Verlierer der Tiefzinspolitik der Zentralbanken seien. In derselben Zeit haben die Aktienbörsen weltweit kräftig zugelegt – gelegentlichen Kurskorrekturen zum Trotz. Aber Sparen ist positiv in unseren Köpfen und Herzen verankert und wir halten eisern daran fest. Brutto ist nicht netto Wer heute Geld zur Seite legt, geht davon aus, später mehr zur Verfügung zu haben. In einer sehr einseitigen Betrachtung stimmt das: Sie bekommen einen Zins gutgeschrieben und so vermehrt sich Ihr Vermögen. Diese Optik greift allerdings in mehreren Dimensionen zu kurz – nicht nur, weil Sie heute im Normalfall überhaupt keinen Zins mehr erhalten. Erstens sind auf den Zinsertrag Einkommenssteuern fällig. Zweitens verlangt die Bank für die Kontoführung eine Gebühr. Am wichtigsten aber ist drittens, dass die Inflation am Wert Ihres Ersparten nagt. Dies bedeutet strammen Gegenwind für Ihr Sparziel. *Der Senior Anlagespezialist Christian Hefti beschäftigt sich seit 30 Jahren mit Wirtschaft und Börse. Bei der Schaffhauser Kantonalbank ist er im Investment Center für die Anlagepolitik der Bank mitverantwortlich. Bild: zVg. IMPRESSUM «finanzen und Vorsorge» Objektleitung: Ausgabe 12, 23. März 2021 Francesco Berenati Sandra Gurtner Sparen oder Anlegen? Wer sein Geld nicht einfach anhäuft, sondern breit diversifiziert anlegt, kann über die Jahre schöne Erfolge erzielen. Der Mensch und die Inflation Die Inflation ist ein widersprüchliches Wesen. Einerseits wird sie bekämpft, andererseits wird sie begrüsst. Die Inflation bedeutet höhere Preise und somit eine geringere Kaufkraft für Konsumentinnen und Konsumenten. Allerdings ist die Inflation auch eine Begleiterscheinung einer guten Konjunktur und tendenziell steigenden Löhnen. Nahe Verwandte der Inflation ist die Deflation mit sinkenden Preisen. Paradoxerweise ist dieser Zustand unangenehmer. Der Wert eines Frankens im Portemonnaie der Konsumentin oder des Konsumenten steigt zwar, gleichzeitig nimmt aber auch die Wirtschaftsleistung ab, Stellen werden abgebaut und Löhne sinken. Die Zinspolitik der Zentralbanken, die stabile Preise und einen guten Konjunkturverlauf sicherstellen müssen, ist einer der Gründe für die fallenden Zinsen der letzten zwei Jahrzehnte. Aber auch in der sogenannt guten Zeit für Sparerinnen und Sparer, in den 1980er- und 1990er-Jahren mit stattlichen Nominalzinsen, nagte die Inflation am Wert Ihres Vermögens. So blieb nach Abzug der Teuerung ein magerer oder gar negativer Realzins. Alternative Ertragsquellen müssen her Die Situation mit tiefen Zinsen wird uns noch lange begleiten und die Frage ist, was angesichts dieser Ausgangslage unternommen werden kann. Für den realen Kapitalerhalt brauchen Sie alternative Ertragsquellen. «Jetzt kommen die bestimmt wieder mit Aktien und Obligationen», werden Sie sagen. Stimmt! Und um Ihre nächste Frage gleich zu beantworten: Ja, auch Finanzanlagen bergen Risiken. Aber im Gegensatz zum Sparkonto bieten Anlagen in Wertpapiere Chancen. Wie das Sparen bedeutet Anlegen einen momentanen Konsumverzicht. Kursgewinne und Dividenden oder Coupons entschädigen Sie dafür. Aktien sind zudem sogenannte Sachwerte und bieten einen gewissen Inflationsschutz. Dasselbe gilt für Anlagen wie Schweizer Immobilienfonds oder Gold. Ausserdem bieten Wertpapiere steuerlichen Gestaltungsspielraum: Dividenden und Obligationenzinsen unterliegen den Einkommenssteuern, Kursgewinne sind hingegen häufig steuerfrei. Anlagen und Flexibilität? Kein Problem Sie mögen einwenden, dass Sie sich volle Flexibilität bewahren wollen oder dass Ihr Vermögen auf gar keinen Fall an Wert verlieren darf. Denken Sie dabei an das Gesagte: Ihr Vermögen verliert auf dem Konto kontinuierlich an Wert. Viele von uns sind kulturell so geprägt, dass wir uns bei Geldanlagen auf die Risiken fokussieren. Dieser an sich gesunde Reflex verstellt uns Chancen. Wenn Sie sich mit der Materie Anlegen auseinandersetzen, werden Sie merken: Die Wahl heisst «sowohl als auch», nicht «entweder oder». Das Beiziehen von Fachpersonen lohnt sich und ein Beratungsgespräch beim Finanzinstitut Ihres Vertrauens bietet Orientierungshilfe. In diesem Prozess finden Sie gemeinsam mit Ihrer Bank heraus, wie viel Kapital Sie zur Sicherheit und als Reserve auf die Seite legen sollten und wie viel Geld wirklich für Anlagen zur Verfügung steht. So haben sie den «Fünfer und das Weggli»: Sie nutzen die Chancen von Wertpapieren, bleiben aber finanziell flexibel. «Stägeli uf, Stägeli ab» Derjenige Teil Ihres Vermögens, den Sie an der Börse für sich arbeiten lassen, ist Schwankungen unterworfen. Dies lässt sich nicht vermeiden. Der Blick auf die langjährige Statistik zeigt, dass Kurskorrekturen regelmässig vorkommen. Häufig sind diese Phasen kurz und die Einbussen werden rasch durch Kursanstiege kompensiert, wie im vergangenen Jahr eindrücklich zu beobachten war. Die Börsengeschichte zeigt uns zwei probate Mittel auf, wie der Einfluss von Schwankungen eingeschränkt werden kann: Zeit und Diversifikation. Je Bilder: zVg. / Schaffhauser Kantonalbank / istockphoto früher mit dem Anlegen begonnen und je länger investiert wird, desto geringer ist das Risiko. Dabei gilt, dass das Anlegen auch in späteren Lebensabschnitten Sinn macht. Ein Anlagehorizont von drei bis fünf Jahren ist aber notwendig. Das zweite Mittel ist die Diversifikation. Eine Streuung über verschiedene Anlageklassen, also Aktien, Obligationen, Gold und Immobilien sowie über verschiedene Regionen, reduziert das Risiko im Portfolio. Optimalen Zeitpunkt suchen: sinnlos Soll nach den Kursanstiegen der letzten Jahre überhaupt noch in Wertpapiere investiert werden? Die Antwort ist einfach: Ja. Unter der Voraussetzung eines genügend langen Anlagehorizontes macht ein Einstieg auch heute Sinn. Dieselbe Frage hätte bei jedem Höchststand der vergangenen Jahrzehnte gestellt werden können – die Kurse stiegen immer weiter. Aktienkurse widerspiegeln letztlich die wirtschaftliche Entwicklung und deren Aussichten. Den optimalen Zeitpunkt zum Ein- oder Ausstieg gibt es nicht und der Versuch, diesen zu finden zeitigt eher negative Folgen. Aber auch hier ist der Faktor Zeit entscheidend: Statt alles auf einmal zu investieren, können Sie die Einzahlung staffeln, also beispielsweise monats- oder quartalsweise. Eines sollten Sie als Anlegerin und Anleger auf jeden Fall beherzigen: Bleiben Sie dem einmal eingeschlagenen Weg treu und vermeiden Sie es, ihre Strategie dauernd zu wechseln. Produktion: Mirjam Held Anzeigenverkauf: Francesco Berenati Sandra Gurtner Artikel / Layout: Kontakt: Marcel Tresch Verlag Bock AG Herrenacker 15 8200 Schaffhausen Telefon 052 632 30 30 info@bockonline.ch bockonline.ch «Wir unterstützen Sie bei Steuererklärungen und Jahresabschlüssen» Rathausbogen 15 8200 Schaffhausen 052 624 15 53 info@pr-buchhaltungen.ch pr-buchhaltungen.ch Innovative POS-Lösungen für Gastronomie und Handel DynaPOS www.gnehm-kassen.ch Gewerbestrasse 3, 8500 Frauenfeld, Tel. 052 730 91 55, info@gnehm-kassen.ch

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