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Gesund und Vital KW44

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MEDIZIN & RAT Myome:

MEDIZIN & RAT Myome: gutartige Tumore Myome zählen zu den gutartigen Muskeltumoren in der Gebärmutter. Zwar ist im Durchschnitt mehr als jede zweite Frau davon betroffen. Bei rund zwei Dritteln verursachen sie keinerlei Beschwerden. Tipp: Regelmässige Kontrolluntersuchungen sind wichtig. Text: Marcel Tresch Bilder: mt. / Spitäler Schaffhausen Myome sind Wucherungen an oder in der Gebärmutter. Ein Myom ist die häufigste, aber eine gutartige Tumorerkrankung. Bei den über 40-Jährigen ist rund die Hälfte der Frauen von Uterus myomen betroffen. Bei den 30-Jährigen ist es mehr als ein Viertel. Die Art der Behandlung hängt unter anderem von der Grösse und der Lage des Myoms sowie von den Beschwerden und vom Alter der Betroffenen ab. Gutartige Wucherungen – viele Muskelzellen bilden zusammen mit Bindegewebe einen Knoten – können klein wie eine Erbse, im Extremfall aber auch so gross wie ein Fussball sein. «Das Wachstum von Myomen ist hormonabhängig, weshalb sie nur während der Geschlechtsreife entstehen», so Michael Schneider, leitender Arzt der Frauenklinik im Kantonsspital Schaffhausen. Die Ursachen für die Entstehung von Myomen sind bisher nicht vollständig geklärt. Es kann aber gesagt werden, dass neben den hormonellen Gründen auch die genetische Veranlagung eine Rolle spielt. VIELFÄLTIGE BESCHWERDEN Je nach Typ, Lage und Grösse der Myome können diese Wucherungen sehr unterschiedliche Beschwerden verursachen. Zu diesen gehören: eine starke Regelblutung, Zwischenblutungen, Blutungsstörungen, Krämpfe im Gebärmutterbereich, wehenartig verlaufende Regelschmerzen, Blutgerinnsel bei starken Blutungen, Harndrang sowie Rückenschmerzen. Die Medizin unterscheidet drei Typen von Myomen. Am häufigsten tritt das intramurale Myom in der Muskelschicht der Gebärmutter auf. Das subseröse Myom wird an den Aussenseiten der Gebärmutter liegend, oft nur mit einem Stiel mit dieser verbunden, festgestellt. Die submukösen Myome befinden sich unter der Gebärmutterschleimhaut. BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN Bei Schmerzen oder starken Blutungen erfolgt in der Gynäkologie zuerst die Erfassung der Krankengeschichte (Anamnese) als wesentliche Grundlage für die Diagnosestellung. «Weitere mögliche Schritte sind die gynäkologische Tastuntersuchung, eine Ultraschalluntersuchung, die Gebärmutterspiegelung und bei unklaren Befunden die Magnetresonanztomographie», er- 18 GESUND & VITAL / HERBST - WINTER 2020

MEDIZIN & RAT klärt der Facharzt. Ausserdem wird bei Verdacht auf Blutarmut eine Blutuntersuchung angeordnet und bei Bedarf eine Messung des Hormonspiegels durchgeführt. Verursachen Myome Beschwerden oder Komplikationen, stehen der Medizin zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Entscheidend für die Wahl der Therapie sind verschiedene Faktoren: zum einen das Alter, zum andern der vielleicht noch vorhandene Kinderwunsch, dann wieder die Art und das Ausmass der Beschwerden (Symptome können auch einen hohen Leidensdruck verursachen) sowie die Grösse und Lage des Myoms beziehungsweise der Myome. Diese können entweder medikamentös, operativ (minimalinvasiv) oder bei Eignung mit speziellen interventionellen Verfahren, wie fokussiertem Ultraschall, behandelt werden. Je nach Alter und dem erwünschten Behandlungsziel kann auch die Entfernung der gesamten Gebärmutter eine sinnvolle Option sein. mal sogar schrumpfen, was die Beschwerden reduziert oder eine allfällige Operation vereinfachen kann. Die Hemmwirkung durch die Behandlung mit speziellen Botenstoffen kann ausserdem die Blutungen reduzieren. «Es gibt eine grosse Palette medikamentöser Therapien», so Michael Schneider. Darunter ist zum Beispiel ein Botenstoff (verabreicht in Form einer Spritze oder Tablette), der die Produktion weiblicher Geschlechtshormone reduziert, sehr wirksam. Allfällige Nebenwirkungen können durch eine dosierte Zugabe von Östrogenen reduziert werden. In früheren Zeiten neigte die Medizin schnell zu einer radikalen Gebärmut- VIELE THERAPIEMÖGLICHKEITEN Kommt es nur zu Blutungsstörungen oder ist bei der Frau in nächster Zeit das Eintreten der Wechseljahre (Menopause) zu erwarten, ist eine medikamentöse Behandlung mit gelbkörperähnlichen Hormonen oder Steuerhormonen, welche die körpereigene Östrogenproduktion verringern, möglich. Dadurch wird das Wachstum des Myoms gebremst und lässt es manchteroperation, bei der die Gebärmutter samt Eierstöcken entfernt wurde. Die heute praktizierten minimal-invasiven Operationstechniken (Knopflochchirurgie) lassen inzwischen deutlich schonendere Behandlungen zu. Durch die stete Entwicklung von immer kleineren Instrumenten sind die Operationen im Vergleich zu früher deutlich sicherer. Sie sind vor allem für Frauen geeignet, die sich noch einen Kinderwunsch erfüllen möchten. KONTROLLUNTERSUCHUNGEN Entgegen früherer Vermutungen sind sich heute die Expertinnen und Experten sicher, dass aus einem Myom kein Krebs – das sogenannte Sarkom – entsteht. Studien deuten darauf hin, dass ein Sarkom unabhängig von einem Myom entsteht. «Regelmässige Kontrollen, bei denen Beschwerden evaluiert und ein allfälliges Myomwachstum erfasst werden, sind dennoch ratsam», so der leitende Arzt der Frauen klinik am Kantonsspital Schaffhausen. Vorsorgemöglichkeiten gegen Myome gibt es keine. Allerdings können Frauen auf mögliche Symptome wie Blutungsstörungen achten. Auch Müdigkeit, Abgeschlagenheit oder ein ein permanentes Druckgefühl im Unterleib könnten auf ein Myom hindeuten. Die Kontrolluntersuchungen mit ärztlicher Beratung schaffen Klarheit in jeder Situation. Sind Lösungen gefragt, werden sie individuell auf die Patientinnen abgestimmt. GESUND & VITAL / HERBST - WINTER 2020 19

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