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Gesund und Vital KW44

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MEDIZIN & RAT Aktiv

MEDIZIN & RAT Aktiv gegen Osteoporose Obwohl vor allem ältere Menschen von Osteoporose betroffen sind, kann eine Osteoporose auch schon in jungen Jahren auftreten. Neben der medikamentösen Behandlung stärken genügend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung die Knochen. Text: Lara Gansser Bilder: lg. / ms. / zVg. Ab dem 30. Lebensjahr baut der Körper Knochenmasse ab, und das Risiko auf eine erhöhte Knochenbrüchig - keit steigt. In der Schweiz sind rund 400 000 Personen von Osteoporose betroffen. Die Wahrscheinlichkeit, ab dem 50. Lebensjahr infolge einer Osteoporose einen Knochenbruch zu erleiden, liegt in der Schweiz bei Frauen durchschnittlich bei 51 Prozent, bei Männern bei 20 Prozent. KNOCHENBRÜCHE NEHMEN ZU Die Osteoporose ist eine Erkrankung, die das ganze Skelett betrifft. Der Abbau von Knochensubstanz führt zu einer veränderten Struktur der Knochen: Sie werden porös, weniger stabil und brüchig. Dieser Knochenschwund kann mit den heutigen Untersuchungsmethoden leicht festgestellt werden: Je früher, desto besser. Menschen, die an einer Osteoporose leiden, haben ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche. Durch die verminderte Substanz steigt das Risiko, einen Knochenbruch zu erleiden. Besonders oft betroffen sind die Lendenwirbelsäule, der Oberschenkel sowie der Vorderarm. «An und für sich ist eine Osteoporose nicht gefährlich», sagt Thomas Stoll, Facharzt für Rheumatologie in der Praxis Buchsbaum. «Wichtig ist vor allem, dass ein Knochenschwund frühzeitig erkannt wird, so die bestmögliche Behandlung angestrebt und in der Folge Knochenbrüche verhindert werden können.» RISIKOFAKTOREN KENNEN «Die Betroffenen merken meist gar nicht, dass sie an einer Osteoporose leiden», erklärt Thomas Stoll. Er empfiehlt allen Personen, die ein erhöhtes Risiko auf Osteoporose haben, frühzeitig mit einem Arzt zu sprechen und bei Bedarf eine Knochendichtemessung zu machen. Risikofaktoren, welche eine Osteoporose begünstigen, sind, neben dem fortgeschrittenen Alter, eine verminderte Knochendichte, die Einnahme von Kortison über längere Zeit und vermehrte Stürze in den letzten Jahren. Zudem hat die Genetik einen Einfluss. Bei Frauen steigt das Risiko auf eine Osteoporose in der Meno pause. «Durch die verminderte Produktion des Hormons Östrogen ist auch der Abbau der Knochensubstanz stärker», erklärt Thomas Stoll. Männer sind grundsätzlich weniger betroffen, da sie genetisch veranlagt eine höhere Knochendichte haben. «Osteoporose kann auch eine Folge von anderen Krankheiten, wie von chronisch entzündlichen Krankheiten oder einer Mangelernährung sein.» GEWICHTSTRAGENDE AKTIVITÄT Eine regelmässige körperliche Betätigung fördert den Knochenstoffwechsel und stärkt die Knochen. «Besonders wichtig sind gewichtstragende Aktivitäten», sagt der Rheumatologe. Darunter wird nicht nur Krafttraining verstanden, sondern der eigene Körper gilt als optimale Lastquelle. Laufen, rennen, walken, Badminton- oder Tennisspielen sind dem Schwimmen vorzuziehen, da bei dem Wassersport nur wenig Körpergewicht getragen wird. «Inaktivität ist das schlimmste für unsere Knochen», so Thomas Stoll. Je weniger aktiv jemand ist, umso höher ist das Risiko für einen frühzeitigen Knochenabbau. Die Rheumaliga Schweiz engagiert sich für Betroffene. Mehr Informationen: www.rheumaliga.ch/sh 20 GESUND & VITAL / HERBST - WINTER 2020

MEDIZIN & RAT KALZIUM UND VITAMIN D3 Osteoporose ist aufgrund ihrer Folgen eine ernst zu nehmende Krankheit, welche die Lebensqualität der Betroffenen deutlich reduzieren kann, wenn sie nicht frühzeitig erkannt wird. Die Vorbeugung sollte keine Option sein, sondern ein Muss. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung tragen dazu bei. Besonders wichtig sind genügend Proteine, Kalzium und Vitamin D3. Letztes wird auch durch Sonnenlicht in der Haut aktiviert. Eine ausreichende Kalziumzufuhr ist die Grundvoraussetzung für den maximalen Aufbau an Knochensubstanz. «Ab dem 30. bis 40. Lebensjahr nimmt die Knochensubstanz allmählich ab, dann geht es darum, diese möglichst lange in einem guten Bereich zu halten.» Kalzium kommt in vielen Lebensmitteln vor. Hauptlieferanten sind Milchprodukte und kalziumreiche Mineralwässer. «Bereits in jungen Jahren sollte auf die Zufuhr von Kalzium und Vitamin D3 geachtet werden», so Thomas Stoll. Vitamin D3 kommt vor allem in fetten Fischen vor (Lebertran), aber nur gering in andern Lebensmitteln. Es empfiehlt sich, insbesondere für ältere Menschen, ein Vitamin-D3-Präparat regelmässig einzunehmen. chentabletten oder Infusionen,» erklärt Thomas Stoll. Zugeführt wird eine Substanz, welche die Osteoklasten, also die knochenabbauenden Zellen, hemmt und so die Knochenmasse erhöht. Nach zwei Jahren erfolgt eine Standortbestimmung mit erneuter Messung der Knochendichte. Sollten die Medikamente nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben, steht noch ein die Osteoblasten (knochenaufbauende Zellen) förderndes Medikament zur Verfügung. Dieses muss allerdings täglich gespritzt werden. Durch die richtige Behandlung kann das Risiko, einen Knochenbruch zu erleiden, um etwa 50 Prozent reduziert werden. «Eine langfristige medikamentöse Behandlung ist neben der richtigen Ernährung und erhöhten körperlichen Aktivität unumgänglich.» IM ALTER AKTIV BLEIBEN Mit zunehmendem Alter steigt auch das Sturzrisiko. Bei Menschen mit Osteoporose kann jeder noch so banale Sturz zu einem Knochenbruch führen. «Deshalb ist die Gangsicherheit ein wichtiges Thema. Wenn Seniorinnen und Senioren Angst haben zu stürzen, nimmt ihre körperliche Aktivität oft ab», so der Rheumatologe. Trotz Vorbeugung tritt eine Osteoporose in der Schweiz bei über 50 Prozent der Frauen und etwa 20 Prozent der Männer auf. Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig. Wenn bei einer Knochendichtemessung eine Osteoporose festgestellt wird, entscheidet der Patient oder die Patientin das weitere Vorgehen gemeinsam mit dem Arzt. «Die Therapie besteht aus einer Gesamtmassnahme. Zusätzlich zur richtigen Ernährung und ausreichend Bewegung gibt es Spritzen, Wo- Was ist Osteoporose? Info • Die Osteoporose ist eine rheumatologische Erkrankung und wird auch Knochenschwund genannt. • Ab dem 50. Lebensjahr tritt eine Osteoporose bei jeder zweiten Frau und bei jedem fünften Mann auf. • Risikofaktoren, die eine Osteoporose begünstigen, sind neben dem Alter die genetische Veranlagung, Hormonmangel, die langfristige Einnahme von Kortisonpräparaten oder Medikamenten, Rauchen, Fehlernährung, Bewegungsmangel sowie ein zu hoher Alkoholkonsum. • Mittels einer Knochendichtemessung kann die Osteoporose festgestellt werden. • Um einer Osteoporose vorzubeugen, ist ausreichend Bewegung, vor allem bestehend aus gewichtstragenden Aktivitäten, wichtig. • Eine ausgewogene Ernährung mit viel Protein, Kalzium und Vitamin D3 kann der Osteoporose entgegenwirken. • Je früher eine Osteoporose erkannt wird, umso besser kann sie behandelt und den schwerwiegenden Folgen vorgebeugt werden. GESUND & VITAL / HERBST - WINTER 2020 21

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