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Museen der Region KW40

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29. September 2020 MUSEEN DER REGION 5 Von der Restaurierung von Kunstwerken bis hin zur Erhaltung von Objekten Ein Blick hinter die Kulissen des Museums Um den Erhalt der Ausstellungsstücke im Museum kümmern sich die Restauratorinnen und Restauratoren. Sie brauchen viel Geduld. Yves Keller Schaffhausen. Vom Innenhof des Museums zu Allerheiligen dringen lachende und aufbrausende Kinderstimmen durch die offenen Museumstüren. In Schulklassen werden sie später durchs Museum gehen und hie und da gebeten, die Ausstellungsstücke nicht anzufassen. Drinnen sitzen an einem runden Bistrotisch Betty Sacher, die Abteilungsleiterin Sammlungen, und die Objektrestauratorin Ursula Sattler. Beide kommen ins Schwärmen, wenn sie von ihrem Beruf sprechen, der vielseitiger ist, als man annehmen mag – und doch eine unerwartete Hauptaufgabe hat: die Reinigung. Putzen, putzen, putzen Neben der klassischen Restaurierung von in Mitleidenschaft gezogenen Kunstwerken steht im Museum vor allem die möglichst gute Erhaltung der Objekte im Zentrum. Und das bedeute unter anderem oft den Griff zum Staubwedel, sagt Betty Sacher: «Wir reinigen alle Objekte schon bevor sie ins Depot kommen. Und auch in den Depots haben wir ein regelmässiges Reinigungsprogramm mit Staubwischen und Staubsaugen. Weil der Staub verschiedene Partikel binden und sich mit der Zeit in die Oberfläche fressen und so Schäden am Objekt verursachen kann, ist die Reinigung ein wichtiger Teil unserer Aufgabe.» Nach einer kurzen Pause fügt sie schmunzelnd und leicht überrascht, als ob sie das jetzt gerade herausgefunden hätte, an: «Wir putzen eigentlich überhaupt sehr viel!» Ein Feind des Museums sind auch verschiedene Insekten. Deshalb stellten sie immer wieder Insektenfallen auf, um zu analysieren, wie gross das Problem sei, erklärt Ursula Sattler. Im Museum Stemmler hätten sie eingreifen müssen: «Da hatten wir einmal Motten und konnten diese anhand von Insektenfallen auf einem Murmeltierfell lokalisieren. Wir isolierten dann In den Kunstdepots der Sammlung des Museums herrscht eine Temperatur von 18 Grad. dieses Fellstück sofort und froren es ein, um die Motten abzutöten.» Versteckt und temperiert Tief unten in den verwinkelten Kellerräumen des Museums zu Allerheiligen liegt eines der Depots für die unzähligen Kunstobjekte, die nicht in den Ausstellungen gezeigt werden. Und das sei die grosse Mehrheit, bestätigt Betty Sacher (l.) und Ursula Sattler begutachten ein Objekt für die Restaurierung. Bilder: Yves Keller Betty Sacher: «Grob geschätzt, sind 80 bis 90 Prozent der Ausstellungs objekte im Depot untergebracht. Das ist auch die Aufgabe des Museums, wertvolle Gegenstände zu sammeln und zu erhalten.» Der Raum ist temperiert. 18 Grad, 50 Prozent Luftfeuchtigkeit. Auf fahrbaren Gestellen sind akribisch sortiert Gemälde und Kunstschätze aufbewahrt, wobei viele nicht sichtbar sind. Ausstellungsstücke aus Silber zum Beispiel sind in braune Hüllen verpackt, um sie vor Luftschadstoffen zu schützen. Sehr viel Geduld gefragt Im ersten Stock des Museumsgebäudes befindet sich das Konservierungslabor. Hier, führt Ursula Sattler aus, könnten sie praktisch alle Materialien restaurieren. «Es gibt nichts, was wir nicht haben. Das heisst, ich muss im Atelier auf alle möglichen Materialien vorbereitet sein. Papier, Glas, Keramik, alles, was Sie sich vorstellen können.» Darauf öffnet sie eine grosse Box, in der ein Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren liegt, und fährt fort: «Für die neuen Retuschen dieses Gemäldes arbeitet die Gemälderestauratorin unter dem Mikroskop und schafft so pro Tag etwa zwei Quadratzentimeter.» Die stundenlange Arbeit beginnt aber schon bevor am Kunstwerk Hand angelegt wird. «Das ist wie beim Menschen. Zuerst untersucht der Arzt den Gesundheitszustand und schaut, was fehlt, bevor er mit der Operation beginnt.» Auf die darauffolgende Frage, ob sie sehr geduldige Menschen seien, lachen Ursula Sattler und Betty Sacher herzlich und Ursula Sattler fügt an: «Ich würde sogar sagen ‹pedantisch›. Wir verrichten hier wahre Detektivarbeit.»

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