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Museen der Region KW40

6 MUSEEN DER REGION 29.

6 MUSEEN DER REGION 29. September 2020 4400 Jahre alt Frauenfeld. Das Museum für Archäologie Thurgau liegt in der Altstadt von Frauenfeld. Es entführt Jung und Alt auf eine spannende Reise in die Zeit der Pfahlbauer, Kelten und Römer. Höhepunkte sind neben einem 4400-jährigen Goldbecher die organischen Funde, die sich im feuchten Boden erhalten haben. Darunter sind römische Weinfässer und eine 2000 Jahre alte Panflöte. Der Eintritt ist frei. Das gesparte Geld kann dafür nach der Besichtigung im Museums-Shop ausgegeben werden. Infos zum Rahmenprogramm mit Führungen, Exkursionen und Kindernachmittagen unter nachstehender Adresse. archaeologie.tg.ch Eine Perle Schaffhausen. Das Museum im Zeughaus offeriert eine ganze Kette von wunderschönen und attraktiven Perlen, indem es in den historischen Gebäuden des Kantonalen Zeughauses in Schaffhausen und im Museum am Rheinfall auf dem SIG-Areal sechs Ausstellungen und drei Schaudepots historischer Sammlungen präsentiert. Es zeigt ausserdem die technische Entwicklung der Ausrüstung und Bewaffnung der Schweizer Armee im 19. und 20. Jahrhundert und vermittelt Wissen sowie historische Zusammenhänge zur militärischen, politischen und sozialen Entwicklung der Schweiz und ihrer Armee. museumimzeughaus.ch Die Schweiz im Miniaturformat Neuhausen. Eine kleine Perle direkt am Rheinfall ist die Miniaturwelt von Smile stones in Neuhausen. Hier gibt es für Jung und Alt ganz viele Werte und Sehenswürdigkeiten der Schweiz im Miniaturformat 1:87 zu bestaunen. Viele lustige und originelle Szenen mit ganz vielen Details sorgen für Überraschung und Erstaunen bei den Besucherinnen und Besuchern. Die beiden Welten von Smilestones – vom Säntis zum Rheinfall und Alpenpanorama Eigernordwand – bilden eine ganz besondere Perle direkt am grössten Wasserfall Europas. smilestones.ch Entdecken Sie Giuseppe Valadier Schlatt / Altparadies. Durch Werke aus 750 Jahren bietet die Eisenbibliothek der Georg Fischer AG sehr spannende Einblicke in die Geschichte der Werkstoffe und Technik. Neben alten und seltenen Büchern zeigt sie eindrucksvolle Handschriften von vielen bedeutenden Persönlichkeiten der Technik, die sich sowohl durch ihre Gestaltung als auch ihre Inhalte auszeichnen. Eines dieser Exponate ist die faszinierende Beschreibung des Glockengusses für den Petersdom in Rom von Giuseppe Valadier. Das 1786 erschienene Buch mit präzisen handschriftlichen Beschreibungen und exquisiten Illustrationen ist ein Unikat. eisenbibliothek.ch Frauen erobern die Kunst Warth-Weiningen. Das Kunstmuseum in der Kartause Ittingen ist die bedeutendste Institution für bildende Kunst im Thurgau. Die Ausstellung «Thurgauer Köpfe – Frauen erobern die Kunst» skizziert, wie sich die Möglichkeiten für Künstlerinnen zwischen 1880 und 1980 verändert haben. Modellhaft wird aufgezeigt, wie sich Frauen zunehmend und auf vielfältige Weise ihre Position im kulturellen Leben in der Ostschweiz und über deren Grenzen hinaus erkämpft haben. Während der sogenannten Gründerzeit konnten nur Töchter aus der bürgerlichen Oberschicht als Künstlerinnen tätig werden, und meist waren solche Aktivitäten unbelastet von kommerziellem Erfolgsstreben. Eine Generation später fanden Künstlerinnen wie Helen Dahm (1878–1968) oder Martha Haffter (1873–1951) nicht nur Wege zu professionellen Ausbildungen in europäischen Kunstmetropolen, sie behaupteten sich auch erfolgreich in der damaligen Ausstellungsszene. In der Zwischenkriegszeit finden sich auch viele Fotografinnen. Leben und Werk von Martha Gubler (1902–2005), Saskia Egloff (1902–1994) oder Susi Iff-Kolb (*1932 in Schaffhausen) zeigen dabei exemplarisch auf, wie breit das Feld der Fotografie sein konnte. Erst die Generation der nach dem Zweiten Weltkrieg tätigen Künstlerinnen, zu denen etwa Eva Wipf (1929–1978), Inge Schön (1916–1995) oder Charlotte Kluge-Fülscher (1929–1998) gehörten, erreichten formell einen gleichberechtigten Stand mit den männlichen Kollegen. Die Ausstellung im Kunstmuseum Thurgau dauert bis zum 18. Oktober. kunstmuseum.ch

29. September 2020 MUSEEN DER REGION 7 Das Dorf Gailingen gehörte einst zu den grössten jüdischen Gemeinden in der Region Auf den Spuren der jüdischen Geschichte Das jüdische Museum und der Friedhof in Gailingen zeigen, wie das Zusammenleben von Religionen sowohl gelingen als auch scheitern konnte. Lara Gansser Gailingen. «Die Geschichten des Judentums lösen oft Betroffenheit und Fassungslosigkeit aus», erzählt Sarah Schwab, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Verein für Jüdische Geschichte. «Durch Rassismus und Antisemitismus ist heute nichts mehr übrig von dem friedlichen Zusammenleben, das hier einst herrschte.» Die Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof in Gailingen bleiben auch nach Jahren unverändert. Alltagsleben und Religionspraxis Seit 13 Jahren kümmert sich Joachim Klose ehrenamtlich um das jüdische Museum in Gailingen, neu wird er von Sarah Schwab unterstützt. «Mich hat jüdische Geschichte schon immer interessiert», so Joachim Klose, der wesentlich am Aufbau des Museums beteiligt war. Das jüdische Museum ist in sieben Themenräume, welche sich auf zwei Schwerpunkte fokussieren, gegliedert: Religionspraxis vor Ort sowie Alltagsleben und politisches Leben in der Gemeinde. Während sich ein Raum der Assimilation, dem Weg zur Gleichstellung der Juden, widmet, befinden sich im nächsten Bekenntnisse zur Judenverfolgung. Eine Besonderheit ist das Ritualbad Mikwe. Mit etwa 1200 bis 1300 Gräbern ist der Friedhof in Gailingen auch heute noch der grösste im badischen Landesteil. «Der Friedhof hat einen hohen historischen Wert», so Sarah Schwab. Die Gräber im Judentum dürfen weder verändert noch aufgelöst werden. «Dafür darf man sich theoretisch auch heute noch hier bestatten lassen», erzählt Joachim Klose. Gailingen hatte sehr früh die Erlaubnis für eine eigene Begräbnisstätte. Das älteste noch vorhandene Grab stammt aus dem Jahr 1657. Vieles auch heute unbekannt Wie kamen die Juden überhaupt in das süddeutsche Dorf nahe der Schweizer Grenze? «Kurz nach dem Dreissigjährigen Krieg siedelten sich fünf Familienverbände in Gailingen an», erklärt Joachim Klose. Bis heute ist nicht bekannt, woher diese Familien stammen, weshalb sie sich ausgerechnet in Gailingen ansiedelten und warum die jüdische Gemeinde gerade hier zu einer der grössten im süddeutschen Raum heranwuchs. Während Joachim Klose denkt, die Gemeinde sei aufgrund der Grenznähe und dem dicht bewaldeten Rauhenberg bei Gailingen besonders geschützt gewesen, tendiert die wissenschaftliche Mitarbeiterin dazu, dass die Juden von den komplizierten Herrschaftsverhältnissen im 18. Jahrhundert profitierten. Gailingen gehörte damals zu Randegg und damit zur österreichischen Oberherrschaft, die schnell die nötigen Schutzbriefe ausgestellt und mehrmals erneuert hat. Bilder: Lara Gansser daraufhin die tragische Wende: Juden erhielten Berufsverbote, durften keine Arier mehr heiraten, Wohnungen wurden beschädigt oder gar entzogen. 1940 waren die letzten verbliebenen Juden aus Gailingen deportiert worden. Viele jüdische Nachkommen fragen sich heute, woher sie eigentlich kommen. Der Friedhof dient als Bezugspunkt und bietet den Nachfahren die Möglichkeit, mehr über die Geschichte ihrer Familie zu erfahren. Die Besucherinnen und Besucher lernen im Museum sowie auf dem Friedhof viel über die Religion und die Geschichte des Judentums sowie die Verflechtung mit der Schweiz. Jedes Jahr vor dem Neujahrsfest der Juden findet auf dem jüdischen Friedhof eine Gedenkfeier statt. Der jüdische Friedhof kann auf Anfrage besichtigt werden. Mehr über die Geschichte erfahren «Generell wissen wir über die Anfänge des Judentums in Gailingen wenig», so Sarah Schwab. Ab dem 19. Jahrhundert bestand die Bevölkerung des Dorfs zu etwa 60 Prozent aus Juden, darunter vielen Händlern und Kaufleuten. Besonders die jüdischen Ärzte waren in der Region hoch anerkannt. Im Jahr 1862 wurden die Juden endlich den Christen rechtlich gleichgestellt. Mit dem Nationalsozialismus und den damit verbundenen systemischen Einschränkungen folgte Friedhof und Museum besuchen Sehr beeindruckend ist die Flora auf dem Friedhofsgelände. «Er ist sozusagen ein kleines Naturbiotop», schwärmt Sarah Schwab. Mit den Jahren haben sich viele seltene Pflanzenarten, darunter grosse Orchideen, aber auch Insekten angesiedelt. Um den Friedhof zu besichtigen, kann der Schlüssel bei der Gemeinde oder dem Verein für Jüdische Geschichte bezogen werden. Zudem bietet der Verein Gruppenführungen im Museum sowie auf dem Friedhof an.

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